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Berlin am Meer

D 2007. R,B: Wolfgang Eißler. K: Florian Schilling. S: Anna Kappelmann. M: Moritz Denis, Eike Hosenfeld. P: Alin Filmprod. D: Robert Stadlober, Jana Pallaske, Anna Brüggemann u.a.
98 Min. Warner ab 10.1.08

Weniger ist Meer

Von Eva Tüttelmann Es gibt Filme, deren Bildpräsenz und Handlung dafür sorgen, daß sie Tage und Wochen an der Oberfläche des Gedächtnisses treiben; Filme, deren Bilder oder Dialogfetzen wieder und wieder in die Gedanken zurückzukehren vermögen und deren Erinnerung im besten Falle selbst nach Jahren noch nicht vollständig verblaßt ist, wenn sie längst tief im Unterbewußtsein verankert sind. Berlin am Meer gehört nicht zu diesen Filmen. Im Falle von Berlin am Meer kann es passieren, daß bereits beim Verlassen des Kinosaals der geistige Vorhang fällt und das zuvor audiovisuell Vernommene sich so noch nicht einmal in den nächsten Tag retten kann.

Wolfgang Eißlers erster Kinospielfilm möchte jung und hip sein. In der Szene angesagter Berliner Clubs ist die Clique um Tom und Malte zu Hause, die Hauptstadt an der Spree dient als Kulisse und Namensgeber. Gemeinsam mit Anna Brüggemann und Jana Pallaske konnte sich Eißler ein vielversprechendes Team sichern. Die Jungschauspieler sind wohl auch das, was es an Berlin am Meer hervorzuheben gilt, wobei besonders Anna Brüggemann zu überzeugen weiß. Ihre Darstellung der Münchnerin Mavie wirkt wie eine Art Ruhepol, ein Refugium in dieser »Keine-Ahnung-was-ich-in-Berlin-machen-soll-außer-Drogen-schmeißen-und-saufen«-Gemeinschaft, wie eine gefestigte Persönlichkeit in einer Welt voller nichtsnutziger Nasen. Untermalt ist das Ganze selbstverständlich mit junger deutscher Musik, und auch visuell wandelt der Film auf jugendlichen Pfaden: Als Symbol für Toms Verzweiflung zerspringt der von ihm betrachtete Vollmond in einem Spezialeffekt comicartig in tausend Scherben.

Die Geschichte, die Berlin am Meer im Kern zu erzählen versucht, ist eine, die so gar nicht oberflächlich ist. Eine Geschichte über Freundschaft. Und über eine Liebe. Leider geschehen um den Kern herum so viele unnütze, aber sehr »hippe« Dinge, daß er in einem Meer von Oberflächlichkeiten ertrinkt. Die eigentliche Geschichte kann es so unmöglich schaffen, an einem prominenten Ort im Gedächtnis vor Anker zu gehen, sondern wird zwangsläufig einfach weggespült. Was bleibt, sind Fragen wie: Ist Berlin am Meer womöglich das Bild einer Generation und spricht Menschen an, die sich mit den Figuren identifizieren können? Benimmt sich der Großteil junger deutscher Menschen tatsächlich so? Will Eißler vielleicht auf einer Metaebene die Oberflächlichkeit der jungen Generation kritisieren, die den Sinn für das Wesentliche verloren hat? Klar ist nur eins: Berlin lockt mich nicht mehr. Auch nicht, wenn’s am Meer wär’. 2008-01-06 18:01
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