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Control

GB/USA 2007. R: Anton Corbijn. B: Matt Greenhalgh. K: Martin Ruhe. S: Andrew Hulme. M: Joy Division, New Order. P: Momentum Pictures, Becker Films International u.a. D: Sam Riley, Samantha Morton, Craig Parkinson u.a.
121 Min. Capelight ab 10.1.08

Komakino

Von Ines Schneider Man kann Anton Corbijns Control als einen Film über die Kunst verstehen und über die Bedingungen, unter denen sie entsteht. Der Film zeichnet in erster Linie das Bild eines jungen Mannes, der mit dem Dasein, das ihm die britische Kleinstadt Macclesfield bietet, nicht glücklich werden kann, der aber noch zu unerfahren ist, um sich einen anderen Lebensentwurf vorstellen zu können. Die Kluft, die sich zwischen seinem bürgerlichen Alltag als Angestellter und den vagen Träumen von einer anderen Zukunft auftut, kann er mit seiner Tätigkeit als Songwriter abschwächen, aber nicht überbrücken. Gleichzeitig versorgt ihn diese Zerrissenheit mit den Voraussetzungen, unter denen düstere Lieder entstehen können.

Der höchst faszinierende Flirt mit dem Tod, den ein sensibler junger Mann einging, weil ihm die Konflikte in seinem Leben unlösbar schienen und er gleichzeitig den direkten Effekt der Sichtbarkeit seiner Schmerzen auf die Fans miterlebt hatte, kommt in Control zu kurz. Corbijn beschränkt sich darauf zu zeigen, wie Curtis von seiner übereilten Familiengründung überfordert ist, wie die Epilepsie ihn schwächt und verunsichert und wie er den verführerischen weiblichen Fans nicht widerstehen kann (keine Herausforderung für Alexandra Maria Lara). Die schauspielerische Leistung von Samantha Morton, die auch mit 30 Jahren problemlos eine verliebte Sechzehnjährige verkörpert, verleiht immerhin den Eheproblemen des Paares etwas Lebendigkeit. Für den Zusammenhang von unbewältigten Konflikten und Kunst findet der Regisseur jedoch keine überzeugenden Bilder: Nach jeder Streiterei läßt er die Figur zum Notizblock greifen, um die ersten Worte der berühmt gewordenen Lyrics niederzuschreiben.

Ian Curtis war mit 23 Jahren schon ein weit entwickelter Künstler. In einer Zeit, in der man bevorzugt durch den Filter des Internets mit der Umwelt in Kontakt tritt, ist es noch eindrucksvoller, eine Ahnung davon zu erhalten, was eine Live-Performance einem Menschen bedeuten kann. Gleichzeitig wird auch in der Zeit der Online-Auftritte nach authentischen Momenten gesucht, nach dem Bild, dem Song, dem Satz, in dem ein Augenblick der Leidenschaft offenbart wird. Der Regisseur Anton Corbijn hat ein Leben in Szene gesetzt, in dem diese Leidenschaft empfunden und kreativ verarbeitet wurde. Die Emotion selbst kann er in Control nicht wiedergeben. Der Fotograph Anton Corbijn ist durchaus zu so etwas fähig. Auf seinen Fotographien fängt er eine Sekunde der Selbstvergessenheit ein. Die abgelichtete Person posiert, doch sie scheint in dieser Pose sich selbst gefunden zu haben, ein Selbst, das der Fan bisher noch nicht gesehen hat. Der Spielfilm scheint einfach nicht Corbijns bevorzugte Kunstform zu sein. 2008-01-06 18:01

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