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Spuren eines Lebens

Evening. USA 2007. R: Lajos Koltai. B: Michael Cunningham. K: Gyula Pados. S: Allyson C. Johnson. M: Jan A.P. Kaczmarek. P: Hart-Sharp Entertainment. D: Vanessa Redgrave, Claire Danes, Toni Collette, Meryl Streep, Glenn Close u.a.
117 Min. Universal ab 10.1.08

Aus dem Zwischenreich

Von Oliver Baumgarten Ann Lord ist todkrank. Lange bleibt ihr nicht mehr, denn Geist und Erinnerung beginnen schon, ein letztes verwirrendes Spiel mit ihr zu treiben, das Heute und Damals auf ihrem Sterbebett durcheinanderzuwirbeln, ja fast auf wunderliche Weise miteinander zu vereinen. Ihre beiden Töchter sind bei ihr, auch eine alte Freundin schaut ein letztes Mal vorbei – nur die einzige Liebe ihres Lebens, die wird sie niemals wiedersehen.

Virtuos verschwimmen in Spuren eines Lebens Zeit- und Bewußtseinsebenen zu einer dichten erzählerischen Melange. Die zweite Regiearbeit des ungarischen gelernten Kameramannes Lajos Koltai thematisiert dergestalt auf sehr nostalgische Art und Weise die Frage nach falschen Entscheidungen im Leben, nach Fehlern und Versäumnissen. Stilistisch ist der Film zurückhaltend gestaltet, die Kamera des Koltai-Landsmannes Gyula Pados drängt sich in keinem Moment auf, und Editorin Allyson C. Johnson leitet die Flashbacks formal dermaßen beiläufig ein, daß ein eher unerfahrener Filmseher vermutlich echte Verständnisprobleme bekäme. Statt also großspurig zu bebildern, vertraut Koltai auf zweierlei: auf die Geschichte und natürlich auf sein vorzügliches Ensemble. Der großen Vanessa Redgrave gelingt es meisterhaft, Ann Lord ins Zwischenreich aus somnambuler Agonie und wacher Klarheit zu versetzen. Wenn sie gemeinsam mit Meryl Streep in einer Schlüsselszene Ann Lord den Frieden mit sich machen läßt, so gehört die Würde und Ehrlichkeit dieses Moments zum vielleicht Anrührendsten, das seit langem aus Hollywood zu sehen war. Im direkten Vergleich zu solch graziler Darstellungskunst fallen Claire Danes’ rollende Rehaugen dann allerdings doppelt unangenehm auf, so daß die Rückblenden – Claire Danes spielt die junge Ann – deutlich an Glaubwürdigkeit einbüßen. Insgesamt aber überzeugt Spuren eines Lebens durch seine uneitle Ausstrahlung und das offensichtliche Bemühen, sich frei von künstlichem Pathos zu halten. 2008-01-06 18:03
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