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Verwünscht

Enchanted. USA 2007. R: Kevin Lima. B: Bill Kelly. K: Don Burgess. S: Gregory Perler, Stephen A. Rotter. M: Alan Menken, Stephen Schwartz. P: Andalasia Productions u.a. D: Amy Adams, James Marsden, Idina Menzel, Susan Sarandon, Patrick Dempsey u.a.
107 Min. Buena Vista ab 20.12.07

Disney reloaded

Von Eva Tüttelmann Wenn man sich das Disney-Weihnachtsmärchen im Kino anschaut, sind die Erwartungen klar abgesteckt. Man rechnet mit einer Geschichte von der Liebe, einer Geschichte um einen Mann und eine Frau, die füreinander gemacht sind, Seelenverwandte sozusagen. Das Glück der beiden wäre vollkommen, wenn da nicht eine böse Hexe oder Königin ihre Finger im Spiel hätte, die Einwände unterschiedlichster Art gegen die Verbindung hat und sämtliche fiesen Bösewicht-Geschütze auffährt, um die Liebenden zu entzweien. Tiere können selbstverständlich sprechen und tun dies, ebenso wie die Menschen, in flotten Reimen. Beide singen auch von Zeit zu Zeit gerne mal ein Liedchen. Und am Ende ist bitteschön alles prima, die blöde Königin soll gefälligst vernichtet oder verbannt, aber wenigstens richtig einsam und arm dran sein.

Genau so ist Verwünscht. Und ganz anders. Der Film eint all die klassischen Märchenelemente zu einem fulminanten Super-Kitsch-Auftakt und zieht sie gleichzeitig gehörig durch den Kakao, nur um dann am Schluß noch einmal so richtig aufzudrehen und ein fulminantes Super-Kitsch-Ende zu präsentieren. Verwünscht ist eine Parodie auf sich selbst. Geschickt greifen die Macher ein gängiges Märchenklischee nach dem anderen auf. Und was läge näher, als ein Klischee aufs Korn zu nehmen, indem man es seinem krassen Gegensatz gegenüberstellt? Kevin Lima inszeniert diese Konfrontation, indem er die süßeste Animationswelt und die Realität des heutigen Manhattan intradiegetisch aufeinanderprallen läßt. Nachdem die schöne Prinzessin Giselle von der bösen Narissa (Susan Sarandon als Hexe: wunderbar!) aus »Animiert-Andalasien« verbannt wird, plumpst sie mitten in Manhattan auf die Straße. Daß sie sich hier so aufführt wie in einem Trickfilm, erzeugt eine bezaubernde Komik: Singend und reimend und mädchenhaft-naiv stolpert sie durch das Konsummekka Manhattan, in dem ihre Werte nicht einen Taler zählen. Was für Giselle wichtig und selbstverständlich ist, ist für die Menschen, auf die sie trifft, alberne Fantasie. Kaum in der Realität angekommen, geschieht der Schönen jedoch etwas wenig Märchenhaftes: Obwohl sie zu Hause bereits ihren Prinzen gefunden hat, verliebt sie sich in einen New Yorker Anwalt (es sei ihr verziehen, es ist Patrick Dempsey), der ebenfalls bereits liiert ist. Aber auch für dieses reale Problem gibt es eine märchenhafte Lösung. Selbstredend ist der übliche Kinderfilm-Zeigefinger mit von der Partie, jedoch zum Glück nicht allgegenwärtig und deshalb gut zu verschmerzen.

Es ist wohl klar, daß Verwünscht keine Filmperle ist. Jedoch ist der Film genau das, was er verspricht zu sein, und erfüllt somit sicherlich die freudigen Erwartungen von Kindern und ihren Begleitern, von Wichteln und Weihnachtselfen. Es wird gesungen und getanzt, geliebt und gelitten. Versehen ist alles mit charmantem Witz, einer ordentlichen Portion Disney-Romantik sowie reichlich Zucker. Ärgerlich: Am Schluß des Films scheint Lima übermütig geworden zu sein, oder er war verhindert und hat jemand anders seinen Film zu Ende drehen lassen. Die letzten Minuten des Films wirken wie von fremder Hand und sind nebenbei auch noch völlig überflüssig und selbst mit Märchen-Brille unglaubwürdig. Man sei vorgewarnt. 2007-12-17 14:55
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