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Der Klang des Herzens

August Rush. USA 2007. R: Kirsten Sheridan. B: Nick Castle, Jim Hart. K: John Mathieson. S: William Steinkamp. M: Mark Mancina. P: Warner Bros., Southpaw Media. D: Freddie Highmore, Keri Russel, Jonathan Rhys-Meyers, Terrence Dashon Howard u.a.
114 Min. Tobis ab 13.12.07

Sei wie das Kind

Von Maike Schmidt Mit dem Melodram ist das so eine Sache. Ganz klar auf die emotionale Schiene abzielend kann hier schnell die Grenze zur Unerträglichkeit überschritten werden, gerade wenn eine Anhäufung von Klischees den Zuschauer nur noch überfordert. Der Klang des Herzens will alles, will in seiner Geschichte ein mannigfaltiges Gebilde entstehen lassen und bleibt letztlich doch nur auf platter Gefühlsdarstellung hängen.

Das reiche Mädchen, das den armen, aber integeren jungen Mann nicht lieben darf, die die Frucht ihrer Liebe abgeben muß und nur für eine Nacht der wahren Liebe begegnet ist. Beide geben ihrem Leben nach dieser kurzen Begegnung eine andere Richtung: Die große Liebe verändert Menschen, hier in wenig überraschender Form einer genauen Umkehrung dessen, was sich am Anfang zeigte. Sie zieht sich aus dem Leben der gehobenen Gesellschaft zurück, er kehrt ein in ein Leben, das sich dem Geld und der Prestige verschrieben hat. Doch ist dies nur Randerscheinung, der Film zieht sich über dem Kind, das in jener Nacht gezeugt wurde, zusammen und ergibt sich wahnhaften Vorstellungen eines Charles-Dickens-Waisenjungen-Lebens. Schüchtern, gedemütigt, aber begabt zieht dieses Kind in die Nacht hinaus, dem festen Ziel entgegen, seine Eltern zu finden, in seinem Herzen ihr gemeinsames Lied, das ihm in die Wiege gelegt wurde und Richtlinie wie Kompaß für den Jungen darstellen soll. Aha.

Es kommt, wie es kommen muß. Und das ist schade. Auch wenn am Ende alle glücklich sind. Rührseligkeit klebt an einem und drückt schwer in den Kinosessel zurück. Auch wenn als Vorweihnachtsgepräge dieser Film in seiner Essenz durchaus richtig liegt, so treffen einen die abgeschliffenen Oberflächlichkeiten überall, nur nicht im Herzen. Daß Robin Williams mitmischt, macht die Sache auch nicht besser, paßt aber ins Konzept.

Habe ich als Kind bei der Lektüre des »Oliver Twist« noch Furcht, Freude und Trauer empfunden, so sehe ich hier nur einen schwachen Aufguß, der ermüdet, nicht emotionalisiert.

So kommt der moralische Imeptus: »Sei wie das Kind und spüre die Musik in dir« auch nur bedingt an, im Gegenteil. Am Ende ist man sich nichts schuldig und kann so erwachsen wie man ist den Saal verlassen. Vielleicht, um zu Hause im Bücherregal nach dem Buch zu greifen, das diese Belanglosigkeit vergessen läßt. 2007-12-10 14:29
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