— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Mein bester Freund

Mon meilleur Ami. F 2006. R,B: Patrice Leconte. B: Jérôme Tonnerre. K: Jean-Marie Dreujou. S: Joëlle Hache. M: Xavier Demerliac. P: Fidélité Productions. D: Daniel Auteuil, Dany Boon, Julie Gayet u.a.
94 Min. Alamode ab 6.12.07

Kino als moralische Anstalt

Von Marieke Steinhoff »Man kennt nur die Dinge, die man zähmt«, sagte der Fuchs. »Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!« »Was muß ich da tun?«, fragte der kleine Prinz. Diese Frage stellt sich auch François, ein erfolgreicher und selbstzufriedener Antiquitätenhändler, der bisher wenig Grund hatte, an seiner Lebensweise zu zweifeln. Angestachelt durch eine peinigende Kritik bezüglich seines fehlenden Freundeskreises läßt er sich auf eine Wette mit seiner Geschäftspartnerin ein: Innerhalb von zwei Wochen muß er einen besten Freund präsentieren.

François’ Suche nach eben diesem wird uns wie eine Fabel präsentiert, deren Thema die Freundschaft bzw. ihr Fehlen ist. Der oben beschriebenen Ausgangssituation folgt eine Konfliktsituation, in welcher François die schmerzhafte Erkenntnis trifft, daß niemand ihn als Freund bezeichnet, und am Ende steht schließlich die Schlußpointe, in welcher ein allgemeingültiger moralischer Satz formuliert wird: Freundschaft kann man nicht kaufen. Da eine Fabel aber nicht nur erziehen, sondern auch unterhalten soll, wird uns das eigentlich Tragische – das Fehlen von Freundschaft – im Gewand einer Komödie gezeigt. Hier leistet Patrice Leconte einen Spagat zwischen ausgelassenen Lachern und beschämtem Mitfühlen und Mittrauern, der viel zum Gelingen des Films beiträgt. Denn das eigentlich distanzierte Moment der Komödie – man lacht über die Figuren und bleibt ihnen somit fern – verwandelt sich bei Leconte in ein ständiges Miteinander von belustigtem Beobachten und starker emotionaler Einbindung. Diese Nähe zu den Figuren wird noch verstärkt durch den Einsatz der Handkamera, die zeitweise recht hektisch ihrem nervösen Protagonisten folgt und dem Gefilmten eine realistische und spontane Note gibt.

Ohne die Lesebrille der Fabel mag Mein bester Freund durchaus konstruiert wirken, betrachtet als kleine moralische Erziehung für Erwachsene macht es aber durchaus Spaß dabei zuzusehen, wie François auf Feldforschung geht und im Beobachten und Befragen befreundeter Männer versucht, die Essenz von Freundschaft herauszufinden. Das Schauspieler-Gespann Daniel Auteuil und Dany Boon, der als überschwenglicher und leicht infantiler Taxifahrer Bruno den Part des Antagonisten überzeugend zu füllen weiß, ist ein weiterer Punkt, diesen Film einfach nur zu mögen – die Geschichte einer beginnenden Freundschaft wird hier wie die Geschichte einer beginnenden Liebe erzählt, und wenn sich Bruno und François dann am Ende des Films gegenseitig gezähmt haben und gemeinsam auf die Seine blicken, hat das einen ähnlichen Effekt wie der Abschlußkuß einer jeden Liebeskomödie, bei welcher zwei Menschen erst nicht zueinanderfinden und dann doch unweigerlich auf das Happy End zusteuern. 2007-12-03 11:41
© 2012, Schnitt Online

Sitemap