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Der goldene Kompaß

His Dark Materials: The Golden Compass. USA 2007. R,B: Chris Weitz. K: Henry Braham. S: Anne v. Coates. M: Alexandre Desplat. P: New Line Cinema. D: Nicole Kidman, Dakota Blue Richards, Sam Elliott, Eva Green, Daniel Craig u.a.
113 Min. Warner ab 6.12.07

Monstereisbären in Ritterkluft

Von Esther Buss Eigentlich sind alle Geschichten um die Verfilmung des ersten Teil von Philip Pullmans Trilogie »His Dark Materials« interessanter als das, was jetzt unter dem Titel Der goldene Kompaß im Kino zu sehen ist. Etwa die aufgescheuchten Reaktionen der Pullman-Gemeinde, die über die drohende Verfälschung der Vorlage in Raserei gerät, die Kritik christlicher Verbände an der Buchvorlage und jetzt der Aufruf der amerikanischen Catholic League, den Film zu boykottieren. Oder der angestrengte Kurs der Produktionsfirma New Line Cinema, die den Regisseur Chris Weitz zunächst entlassen hat, um ihn später wieder zurückzubitten und nun die Zuschauerzahlen abwartet, bevor die folgenden zwei Teile in Produktion gehen oder auch nicht.

Dem Film sieht man diesen Druck an. Die Drehbuchadaption von Pullmans Buch, das angeblich viel mit John Miltons »Paradise Lost« zu tun hat, wirkt ausgesprochen holprig. Charaktere werden wie auf Kommando und im Schnelldurchlauf in die Handlung geworfen, um kurz darauf darin zu versumpfen, die zahlreichen Subplots eiern nur so herum, und die Bösen im Film, das so genannte »Magisterium« ist eine ziemlich schwammige Instanz ohne jedes Profil (Anspielungen auf die Katholische Kirche sollten hier wohl möglichst vermieden werden). Das Setting ist immerhin gelungen. Es erinnert an die Welt von Charles Dickens und Jules Vernes, und immer kurz bevor der Dampfmaschinen-Charme überhand zu nehmen droht, taucht irgendeine hypermoderne technologische Erfindung auf.

Die schönste und visuell überzeugendste Idee des ganzen Films aber sind die Daemons, eine Repräsentation der Seele in Tierform, mit dem die Menschen untrennbar verbunden sind. Jede Figur wird die ganze Zeit über wie selbstverständlich von einem Tier begleitet und bei Massenszenen wimmelt es dann nur so herum. Das ist nicht nur ein beeindruckendes Bild, sondern auch eine ungewöhnliche und unerschöpfliche Möglichkeit für innere Dialoge. Die Tiere bieten außerdem wunderbare Charakterisierungen für die dazugehörigen Figuren. Das Waisenkind Lyra und Heldin des Films hat einen ebenso flinken wie putzigen Daemnon namens Pantalaimon, ihr Onkel Lord Asriel, der vom Magisterium aus dem Weg geräumt werden soll, weil er dem Phänomen des »Staub« auf die Spur kommt, einen eleganten Leopard. Und die von Nicole Kidman gespielte Mrs. Coulter, eine sehr glamouröse Verkörperung einer bösen Hexe bzw. Stiefmutter, die mit der Entführung von Kindern und damit verbundenen wissenschaftlichen Experimenten zu tun hat, wird von einem fratzenhaften rötlichen Affen begleitet.

Mit seiner rebellischen Hauptfigur Lyra ist Der goldene Kompaß vom Ansatz her eigentlich eine Coming-of-Age-Geschichte, aber das geht unter der Fülle des Erzählstoffs sowie bombastischer CGI-Schlachten, bei denen sich rivalisierende Monstereisbären in Ritterkluft gegenüberstehen, doch ziemlich verloren. 2007-12-03 11:36

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