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Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken

D 2007. R: Leander Haußmann. B: Rochus Hahn, Alexander Stever. K: Tilmann Büttner. S: Peter R. Adam. M: James Last. P: Constantin Film Produktion. D: Benno Fürmann, Jessica Schwarz, Matthias Matschke, Annika Kuhl, Uwe Ochsenknecht u.a.
103 Min. Constantin ab 29.11.07

Das Unbehagen der Geschlechter

Von Arezou Khoschnam »Dies ist ein Lehrfilm.« Mit diesen Worten beginnt ein recht alberner, vor Klischees nur so triefender Film, der an manchen Stellen dennoch ganz amüsant ist und nur deshalb von der Kritik einigermaßen verschont bleiben darf, weil er sich selbst nicht ernst nimmt.

Wir haben es hier mit der Verfilmung des gleichnamigen Sachbuchbestsellers von Allan und Barbara Pease zu tun, der anekdotenhaft und mit zahlreichen Beispielen inklusive Illustrationen und Tests die Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu verdeutlichen sucht. Die Erklärung, unser geschlechtsspezifisches Gebaren liege an der Evolution – was mitunter das Verhalten des jedem Rock hinterhereifernden Mannes mit dessen urzeitlicher Funktion als Jäger und Sammler rechtfertigt – wird vom Film übernommen, indem durch eingeschobene Sequenzen dem weiblichen und dem männlichen Prototyp des 21. Jahrhunderts jeweils ihre Vorfahren gegenüberstellt werden. Ich darf vorstellen: Frau und Herr Neandertaler. Diese bewußt dilettantisch produzierten, pseudo-aufklärerischen Passagen – Assoziationen mit den Schulmädchenreporten sind beabsichtigt – werden mit einer pädagogisch wertvoll klingenden Sprecherstimme in unsere Zeit übergeleitet, damit auch der blödeste Zuschauer zu den Balzauffälligkeiten der Protagonisten eine Verbindung herstellen kann.

Weil wirklich alles in diesem Film, von der Neandertalerschen Fellklamotte bis zum Schwulentitel »Mutti des Jahres«, nach Parodie schreit, mag man über die Tatsache hinwegsehen, daß die Macher dieser Produktion den Zuschauer scheinbar für dumm verkaufen. Wenn aber jede Szene bloß eine bildliche Umsetzung eines Stereotyps ist, reicht es für einen filmischen Genuß irgendwann nicht mehr aus, nur über sich selbst zu lachen. Zugegeben, Leander Haußmann hatte sich vorgenommen, einen Film nur um des Vergnügens willen zu drehen. Doch jeder Versuch, sich hinter der Buchvorlage zu verstecken, täuscht nicht über die Einfallslosigkeit der Regie sowie des Drehbuchs hinweg. Dem Publikum wird nichts Neues erzählt. Stattdessen bekommt es eine Aneinanderreihung von Halbwahrheiten vorgesetzt wie nicht multitaskingfähige Männer, die notorisch fremdgehen und shoppingsüchtige Frauen, die ihren Partnern den Orgasmus vortäuschen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, daß Jessica Schwarz wie immer eine tolle Leistung abliefert und durch die Einswerdung mit ihrer Rolle den Zuschauer zeitweise vergessen macht, daß er gerade auf den Arm genommen wird.

Daß wir trotzdem auf diesen ganzen Schmus anspringen und ab und an Kichern (die Damen) und Grölen (die Herren) – interessanterweise ertönen Kicher- und Grölgeräusche nicht angesichts derselben Szenen – ließe sich wohl auch mit der Evolution erklären. »Männer und Frauen«, das ist nun mal das Thema, zeitlos und jeden ansprechend. Aber das Zitieren allein macht noch keinen Film. Streift man den ganzen Lehrquatsch ab, bleibt eine Lovestory über, die als exemplarisches Begleitwerk zu den theoretischen Ausführungen aus dem Off fungiert, die jedoch zu belanglos ist, um eigenständig zu funktionieren.

Wir lernen: Man muß nun wirklich nicht jedes Buch verfilmen, erst recht kein Sachbuch, das man dann als Spielfilm verkaufen möchte. 2007-11-26 12:38

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