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Mörderischer Frieden

D 2007. R,B: Rudolf Schweiger. B: Jan Lüthje. K: Gerald Schank. S: Norbert Herzner. M: Robert Papst, Hugo Siegmeth. P: BlueScreenFilm. D: Adrian Topol, Max Riemelt, Susanne Bormann, Damir Dzumhur, Anatole Taubmann, Peter Bongartz.
91 Min. Movienet ab 29.11.07

Wie ich den Krieg gewann

Von Carsten Tritt Ich bin ja gespannt, ob die Texttafel am Anfang des Films noch bis zum Bundesstart geändert wird. Bisher wird dort behauptet, der KFOR-Einsatz unter UN-Mandat sei der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Was natürlich Blödsinn ist. Der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr war der dem KFOR-Einsatz unmittelbar vorangegangene Kosovo-Krieg – ohne UN-Mandat und völkerrechtlich äußerst fragwürdig, stattdessen aber erklärte uns ein Parallelen zu Auschwitz ziehender Außenminister, warum er den Angriff auf Serbien für den Kampf gegen den Faschismus hielt, während der Verteidigungsminister Sorge trug, den Begriff »Kollateralschaden« im deutschen Sprachschatz zu verankern. Aber darum soll es in Mörderischer Frieden nicht gehen. Wir sind schließlich die Guten, und dafür muß man die Geschichte auch gelegentlich ein klein wenig hinbiegen können.

Also haben wir inzwischen ein paar Monate später, der böse Serbe ist besiegt, die Vereinten Nationen durften eine vorläufige Nachkriegsordnung abnicken, die den bereits erwähnten KFOR-Einsatz beinhaltete, und in einer Eröffnungssequenz, die wie eine unbeabsichtigte Parodie auf die Anfangsszene von Last Man Standing wirkt, erscheinen zu dynamischen Ethnoklängen deutsche Panzeraufklärer aus einer Staubwolke am Horizont. Den Frieden wahren sollen sie, und Übergriffe zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen verhindern. Doch, so erfahren die jungen Soldaten durch den Hauptmann in der Exposition: Eine »militante albanische Gruppe« (der Begriff »UÇK« wird nicht verwendet) plant einen großangelegten Rachefeldzug gegen die serbische Bevölkerung, der unbedingt verhindert werden muß, aber trotzdem, »Männer, kein unnötiges Risiko«.

Kein unnötiges Risiko wollte offensichtlich auch Rudolf Schweiger eingehen, und so treiben seine Darsteller gemütlich durch eine Schmonzette auf Klinik unter Palmen-Niveau über den verwirrten Waisenjungen, die gutaussehende blonde Arzttochter und natürlich unsere Entwicklungshelfer in Olivgrün. Alsbald erweist sich auch dankenswerterweise, daß alle Einheimischen sehr gut deutsch sprechen können, man muß halt nur oft genug nachfragen, so daß unsere jungen Soldaten sich in recht kurzer Zeit gut einleben können. Zwar wird dann doch hin und wieder ein wenig herumgeballert, aber weil die Mitglieder der »militanten albanischen Gruppe« im Schußwaffengebrauch wohl noch etwas ungeübt sind und selbst beim Angriff aus einem Hinterhalt auf einen offenen Geländewagen allenfalls Blechschaden verursachen, wird’s zum Glück nicht allzu dramatisch.

Letztlich läßt sich kein konkreter, einzelner Punkt festmachen, an welchem der Film gescheitert ist, denn an Mörderischer Frieden ist wirklich alles schlecht. Von den uninspirierten Kulissen über die völlig beliebige Kamera bis hin zum bereits erwähnten Soundtrackteppich zieht sich eine filmische Auftragsarbeit auf ihre 90 Minuten. Von den Darstellern macht Peter Bongartz, der sich in eine Art gelangweilte Routine flüchtet, noch die beste Figur. Schon alleine, weil das Drehbuch nur Seifenoperndialoge liefert und somit jeglichen Versuch einer Charakterentwicklung sowieso ad absurdum geführt hätte, mag ich den meisten Schauspielern nur wenige Vorwürfe machen. Eine Ausnahme stellt hier alleine Anatole Taubman dar, der den Antagonisten geben soll: Er spielt seine Figur als schmierig-hinterhältigen Brunnenvergifter in ekelhaft-klischeehafter Darstellung, wie sie in einem deutschen Film lange nicht mehr zu sehen war.

Auch wenn der Rest des Films nicht ganz so schlimm ist wie die Taubman-Figur, bleibt der Film durchweg schlecht. Mörderischer Frieden macht den Anschein, eines jener Werke zu sein, bei welchen alle Beteiligten zu spät gemerkt haben, daß das Ganze nichts wird, nämlich erst, nachdem schon einiges Geld in das Projekt geflossen war, also dreht man den ganzen Schmu halt noch irgendwie zu Ende und zeigt ihn auch mal kurz im Kino. Wirklich verwendbar ist das Ganze allenfalls zur Aufführung bei gemütlichen Abenden unserer in Afghanistan stationierten Soldaten, wo Mörderischer Frieden noch einen gewissen Trashfaktor unter Insidern erzielen könnte. Obwohl – besser doch nicht, wenn die dortigen ISAF-Truppen erfahren, wie deppert sie im heimischen Kino dargestellt werden, ist das sicherlich nicht sonderlich dienlich für die Truppenmoral. 2007-11-26 12:37
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