— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Mr. Brooks – Der Mörder in Dir

Mr. Brooks. USA 2007. R,B: Bruce A. Evans. B: Raynold Gideon. K: John Lindley. S: Miklos Wright. M: Ramin Djawadi. P: Element Films, Eden Rock Media u.a. D: Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt u.a.
120 Min. Concorde ab 29.11.07

Das Böse trägt Nadelstreifen

Von Maike Schmidt Auf dem Bett liegen tot zwei Menschen, nackt und in inniger Umarmung hat sie die Pistolenkugel getroffen. Kommen hören haben sie ihn nicht, den Mann, der nun leise lächelnd vor ihrem letzten Lager steht und einem unheimlichen Schauer der Befriedigung kaum Einhalt gebieten kann. Das Töten in einer reinen, unschuldigen und dadurch umso machtvolleren Form ist es, was Mr. Brooks der einen Seite seines Ichs abgewinnt. Lange konnte er es unterdrücken, die vielen Toten liegen weit in der Vergangenheit, der Sucht nach ihnen mußte hiermit noch ein einziges Mal nachgegeben werden. Doch er war unvorsichtig, wurde beobachtet und muß sich nun auf das perfide Spiel eines Emporkömmlings einlassen. »Zeig mir das Töten«, bittet der junge Mann am nächsten Tag. Ein Eindringling in Mr. Brooks’ perfekter Welt zwischen Penthouse-Büro, schöner Ehefrau und teuren Anzügen.

Was viele Serienkiller-Filme der letzten Jahre gelehrt haben, ist das Profil, das eines weißen, intelligenten, unauffälligen Mannes mittleren Alters, ein Mr. Brooks, wie ihn dieser Film in Szene setzt. Verzichtet wird hierbei auf dunkles Setting, entsetzliche Trophäensammlungen und abartige Morde. Der Fokus wird auf das gestörte Selbst eines normal wirkenden Mannes gelegt. Kevin Costner und William Hurt sind Mr. Brooks. In leisen Dialogen setzten sie sich mit sich selbst, der Lust am Töten und der Schuld auseinander, Costner die äußere Hülle, Hurt das mörderische Innere. Costner ist das Nein, Hurt das Ja, ein Diskurs über den verschuldeten Tod entsteht. Vergleiche mit der Adaption des Romans American Psycho werden somit abgelegt; dies ist keine kritisch-hinterfragende Parabel über Gesellschaftsstrukturen einer überkommerzialisierten Welt, der Film bleibt bei seinem Mörder.

Die Frage nach dem Warum möchte Regisseur Bruce A. Evans dabei außen vorlassen. Keine Grausame-Kindheit-Inszenierung, eher ein Spiel der Chromosomen, ein Sinnieren über den Fluch des Erbes. Liegt das Böse in den Genen? Einer Antwort wird ausgewichen, eine letzte Traumsequenz, in der Brooks’ Tochter den Vater tötet, bleibt in ihrem Erwachungsmoment vage, irritiert mehr, als daß ein kathartischer Moment entstehen könnte, und nimmt damit dem Film mehr als er ihm gibt.

Stark bleibt er dennoch durch das Spiel seiner Protagonisten; der Charme Costners und das Charisma Hurts verlegen den leicht kruden Plot und das fragwürdige Ende auf die Ebene reiner Schauspielkunst. Die Darstellung eines Mörders mittels zweier Figuren bewirken dann kammerspielartige Szenarien, welche den Film aus üblichen Genrekriterien und den daran haftenden Klischees samt vorprogrammierter Erwartungshaltungen deutlich hervorzuheben wissen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap