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Machtlos

Rendition. USA/ZA 2007. R: Gavin Hood. B: Kelley Sane. K: Dion Beebe. S: Megan Gill. M: Paul Hepker, Mark Kilian. P: Anonymous Content, New Line Cinema, Level 1 Entertainment. D: Jake Gyllenhaal, Reese Witherspoon, Peter Sarsgaard, Meryl Streep, Omar Metwally u.a.
120 Min. Warner ab 22.11.07

Kreative Verhörmethoden

Von Eva Tüttelmann Als Anti-Terror-Maßnahme bezeichnet die US-Regierung das sogenannte Rendition-Programm. Menschen, auf die der Verdacht fällt, die staatliche Sicherheit zu gefährden, werden in Gefängnisse außerhalb der USA gebracht, wo ihnen dann »kreative Verhörmethoden« einschlägige Informationen abringen sollen. Man könnte auch einfach das Blatt vom Mund nehmen und die »Überstellung in die Rechtlosigkeit« als Entführung mit anschließender Folter ohne die Chance auf einen fairen Prozeß bezeichnen. Natürlich hört man derart abschreckende Worte auf Regierungsebene nicht sonderlich gern, zumal es hier ja auch um die Garantie der staatlichen Sicherheit geht, von der wir alle was haben. Im Kampf gegen den Terror gelten Menschenrechte eben nur für Freunde.

Gavin Hood, dessen subtiles Sozialdrama Tsotsi 2005 den Academy Award als bester fremdsprachiger Film erhielt, bleibt seinem Genre treu und nimmt sich in Machtlos dem delikaten Sachverhalt der »Extraordinary Rendition« an. Sein »Opfer« ist der ägyptischstämmige US-Anwalt Anwar El-Ibrahimi, der mit seinem kleinen Sohn und seiner schwangeren Frau ein ruhiges Leben führt. Aufgrund eines absurden Indizes befindet er sich plötzlich im Visier der Terrorbekämpfung und wird auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise aus dem Verkehr gezogen und nach Nordafrika verschleppt. Die Bilder pendeln zwischen der beklemmenden Hitze, die in El-Ibrahimis Folterkeller herrscht und der klirrenden Kälte, die seine verzweifelte Frau im Polit-Dickicht umgibt, und kontrastieren auf diese Weise die unterschiedlichen Mentalitäten. Die fabelhafte Besetzung, unter anderem Meryl Streep als herzlose Chefin der CIA-Anti-Terror-Einheit, Jake Gyllenhaal als von Zweifeln geplagter CIA-Analytiker und Reese Witherspoon als El-Ibrahimis Frau, gewinnt noch zusätzlich durch den greifbar präsenten Peter Sarsgaard, dem die Zerrissenheit seiner Figur ins Gesicht geschrieben steht und der - wie so oft - die Hauptdarsteller, und seien sie noch so gut, in den Schatten stellt.

Machtlos ist kein leichter Stoff, findet die Geschichte doch auf verschiedenen Ebenen statt und vereint mehrere Erzählstränge, die wiederum unterschiedliche Sichtweisen aufzeigen. Leichter Stoff ist der Film auch deshalb nicht, weil Brutalität und Uneinsichtigkeit betäuben und fassungslos machen. Seit Jahrhunderten weiß man, daß Folter nicht unweigerlich die Wahrheit ans Licht bringt, sondern auch ehrliche Menschen zu Lügnern macht. Klar ist jedoch auch, daß terroristische Aktionen möglichst im Keim erstickt werden müssen. Hood beleuchtet beide Seiten der Medaille ohne ein klassisches Gut-Böse-Gefälle zu zeichnen, bezieht aber dennoch klar Stellung. Klingt so einfach, ist aber tatsächlich eine reife Leistung. 2007-12-11 12:13
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