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Mein Kind vom Mars

The Martian Child. USA 2007. R: Menno Meyjes. B: Jonathan Tolins, Seth Bass, Menno Meyjes. K: Robert Yeoman. S: Valdis Oskarsdóttir. M: Aaron Zigman. P: New Line Cinema. D: John Cusack, Bobby Coleman, Amanda Peet, Sophie Okonedo, Joan Cusack, Oliver Platt u.a.
106 Min. Warner ab 8.11.07

Von einem anderen Stern

Von Eva Tüttelmann »Superstars don’t exist. Only Supernovas and white dwarfs«, merkt Dennis berichtigend an. Dennis kennt sich gut aus in solchen Dingen, schließlich stammt er vom Mars. Deshalb meidet er die Sonne, denn die ist einfach zu sonnig, und außerdem braucht er unbedingt seinen Gürtel, denn ohne die daran befindlichen Gewichte würde er einfach abheben. Dennis ist nämlich nicht der Erdanziehungskraft unterworfen. Er kann alle Farben schmecken außer Blau, aber das macht nichts, denn es muß sich ja um Blau handeln, wenn er nichts schmeckt. Sein Aufenthalt auf der Erde liegt begründet in einer Forschungsmission, die Marsianer haben ihn beauftragt, das Verhalten der Erdlinge zu beobachten. Deshalb sammelt Dennis forschungsrelevante Dokumente wie Reisepässe, Autoschlüssel oder Ungeziefer. Freunde hat er nicht, denn die Erdlinge betrachten sein seltsames Gebaren mit großer Skepsis und vornehmlich auch mit gebührendem Abstand.

Eigentlich vereint Menno Meyjes’ Mein Kind vom Mars, basierend auf einer Vorlage von Science Fiction-Legende David Gerrold, alle klassisch notwendigen Elemente, um ein fürchterlich kitschiger und schmalziger »Film für die ganze Familie« zu werden. Wir haben einen leidenden, kinderlosen Witwer, einen kleinen Jungen, der nicht weiß, wo er hingehört und eine hübsche junge Frau, die ein Herz für beide hat. All das hat man schon unzählige Male gehört und gesehen und kann gerne darauf verzichten. Mein Kind vom Mars ist anders. John Cusack und der großartige Bobby Coleman liefern eine beeindruckende, bezaubernde »Two-Men-Show«, die überrascht, fesselt und bewegt. Es erweist sich als ein echtes Unding, die beiden Figuren nicht zu lieben, denn sie umgibt eine Einzigartigkeit, die den meisten anderen in »solchen« Filmen schlichtweg fehlt.

Meyjes gelingt es, die Geschichte so zu erzählen, daß die Entwicklung, die Protagonist David beim Kennenlernen von Dennis durchmacht, konform geht mit der Veränderung, die der Zuschauer erlebt. Das blasse Problemkind, das sich tagsüber ausschließlich in einem Pappkarton aufhält, wird zu einem faszinierenden Wesen und letztendlich zu einem unendlich liebenswerten Menschen. Parallel zur Trauer, die allgegenwärtig im Leben der beiden Hauptfiguren ist, bedient sich der Film eines ganz eigenen Humors; beides überschneidet sich, verliert sich aber nie ineinander: Lustige Momente verkommen nicht zu platten Gags, sondern beweisen echten Humor, und traurige Szenen dürfen einfach mal nichts als traurig sein. Erfrischend anders ist auch, daß die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen David und seiner langjährigen Freundin auch eine solche bleibt und nicht schmonzettenhaft ausgeschlachtet wird. Der Fokus der Erzählung liegt ganz klar auf der Beziehung zwischen David und Dennis.

Man möchte sich fast anmaßen zu sagen, der Film sei »unamerikanisch«, vielleicht tut es aber auch »untypisch« – aber untypisch für was denn eigentlich? Es ist schwierig, Mein Kind vom Mars in ein Genre einzuordnen, vereint der Film doch dramatische und komödiantische Elemente, ist ein bißchen Science Fiction ebenso wie Familienfilm. Es ist aber auch völlig überflüssig, denn dieser Film besticht gerade durch seine Andersartigkeit. Und, gut, dann ist Bobby Coleman eben eine Supernova. Einverstanden. 2007-11-05 13:16
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