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Bis zum Ellenbogen

D 2007. R,B,D: Justus von Dohnányi. K: Matthias Schellenberg. S: Steven Wilhelm. M: Stefan Will. P: element e Film. D: Jan Josef Liefers, Christian Lau, Stefan Kurt, Luisa Lindner, Antoine Monot jr. u.a.
84 Min. Delphi ab 1.11.07

Bernie läßt grüßen

Von Sebastian Gosmann Mit der Darstellung einer Leiche hätte es Justus von Dohnányi gewiß nicht auf die Hamburger Kunsthochschule geschafft. Aber wollen wir nicht weiter herumreiten auf der Tatsache, daß man den stinkenden Sven, Dohnányis Charakter in seinem eigenen Regiedebüt, noch Tage nach der Löffelabgabe deutlich erkennbar ein- und ausatmen sieht. Darüber kann man hinwegsehen. Geradezu unerfreulich ist hingegen, daß sich mit dem Ableben Svens auch die sehenswerteste Figur aus dem Film verabschiedet. Denn die Rolle des zwar einsam und deprimiert vor sich hinvegetierenden, aber dennoch stets freundlichen und grundsympathischen Gutmenschen, die hat er drauf. Gehabt. Leider.

Sven, Gott hab’ ihn selig, war so ein Mensch, der nach einem erbitterten Wortduell, an dessen Ende einer der beiden Kontrahenten wutentbrannt den Vespertisch verläßt, sagt: »Jetzt war die Stimmung aber nicht mehr so gut.« Arglos bis zum Umfallen. Und selbstlos. Wie der Drehbuchautor Dohnányi. Doch seine Bescheidenheit in allen Ehren, so richtig will man die plötzliche Abwesenheit dieses etwas pummeligen Bankangestellten mit der leicht homophilen Gestik und dem Schuljungenhaarschnitt nicht akzeptieren. So gern hätte man ihm noch weiter zugeschaut. Aber was bleibt dem Zuschauer anderes übrig, als sich fortan mit Jan-Josef Liefers und Stefan Kurt zu begnügen. Liefers gibt den unterkühlten Erfolgsmenschen Achim, Kurt den gemütlichen Hartz-IV-Empfänger Willi; zwei Charaktere wie aus dem Dramaturgiebaukasten für Anfänger, zusammengepfercht in ein winziges Autochen – auf daß es krachen möge. So macht sich das »ungleiche Duo« also auf den Weg von den Schweizer Alpen nach Sylt. Auf dem Rücksitz: Sven. Und im Handschuhfach: ein über weite Strecken holpriges und arg konstruiert wirkendes Drehbuch.

Zudem vermag manch gut gemeinter humoristischer Einfall im Film einfach nicht zu zünden und wird so zum Ärgernis. Die glorreiche Idee etwa, die Flatulenzen des toten Sven zum regelrechten Running Gag auszubauen, hätte man in der Postproduktion womöglich noch einmal überdenken sollen. Auch inszenatorisch schießt Dohnányi des öfteren über das Ziel hinaus. Mit der den Grundton des Films völlig verfehlenden Montagesequenz im Tresor der Bank wird Bis zum Ellenbogen zu allem Überfluß auch noch das, was er bis dahin schlichtweg nicht war: cineastisch.

Mit einer guten Handvoll wirklich gelungener, schwarzhumoriger Pointen und einer soliden Darstellerleistung hat Dohnányi ein über weite Strecken immerhin recht unterhaltsames Roadmovie geschaffen, das jedoch im Fernsehen wohl um einiges besser aufgehoben wäre. 2007-10-29 14:11

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.
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