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Weißt was geil wär?

D 2007. R,B,S: Mike Marzuk. K: Ian Blumers. M: Bernhard Drax. D: Axel Schreiber, Isaak Dentler, Nadja Bobyleva u.a.
97 Min. Kinowelt ab 1.11.07

Das Beavis and Butt-Head-Prinzip

Von Sascha Ormanns Am 8. März 1993 feierte in den USA die Cartoon-Serie Beavis and Butt-Head ihre Premiere. 1995 gab es sie dann auch in Deutschland zu sehen; ausstrahlender – sowie produzierender – Sender war jeweils MTV. Bei der Interpretation von Beavis and Butt-Head gibt es durchaus verschiedene Ansätze: Eine Möglichkeit, diese Serie zu deuten, ist die ironische Auseinandersetzung von MTV mit seiner eigenen Zielgruppe, beziehungsweise die generelle Medienkritik: Beavis and Butt-Head als Spiegel der Gesellschaft.

Mit viel gutem Willen läßt sich behaupten, daß Regisseur Danny Leiner im Jahr 2000 diesen Spiegel in Form von Ey Mann, wo ist mein Auto? erneut hervorgekramt hat, realistisch betrachtet handelt es sich jedoch lediglich um einen bescheuerten Film. Mike Marzuk bannt mit seinem Regiedebüt Weißt was geil wär? letztlich eine Kreuzung aus Beavis and Butt-Head und Ey Mann, wo ist mein Auto? auf Zelluloid, ob es jedoch seiner Intention entsprach, Kritik an der heutigen Gesellschaft zu üben oder einfach einen bescheuerten Film zu drehen, sei zunächst einmal dahin gestellt.

Dem Presseheft ist zu entnehmen, daß Marzuk mit Freunden immer über die deutsche Filmlandschaft gelästert hat, obgleich er selbst keine eigenen guten Filmideen verwirklichen konnte (oder überhaupt welche hatte). So dachte er schließlich, wäre es doch lustig, »einen Film über zwei Labertaschen« zu machen, die auch nichts auf die Reihe kriegen. So weit so gut. Der Film ist produziert und kommt nun in die Kinos, kann im Großen und Ganzen jedoch nicht überzeugen: Besonders das Drehbuch hat Schwächen vorzuweisen, hält es doch sowohl abstruse Dialoge als auch eine einfallslose Geschichte parat. Alles ist irgendwie schon mal da gewesen, bis auf die gar nicht mal uninteressante – leider aber nur nebensächliche – Idee, die beiden Protagonisten eine Pornodokumentation drehen zu lassen. Der Großteil jedoch ist abgehalfterte Liebesgeschichte. Alles schon bekannt und mit hanebüchenen Pointen versehen, die wirklich keine Freude machen, und all das wird auch durch ein selbstironisches Augenzwinkern nicht besser.

Obendrein ist es mit den Darstellern eines Films so eine Sache, sie haben dann gute Arbeit geleistet, wenn man sie nicht als Schauspieler wahrnimmt, man sich in die Geschichte hineingezogen fühlt, die Schauspieler als wahre Menschen interpretiert. Isaak Dentler jedoch spielt hier eine der Hauptfiguren auf wirklich ärgerliche Weise: Man hat die ganze Zeit das Gefühl, einen Schauspieler zu sehen, der seinen Text zwar korrekt aufsagt, ihn aber nicht spielt – oder gar lebt. Außerdem sagt er ständig so blöd »Sorry!«. Das nervt.

Marzuk wäre gut beraten gewesen, sich beim Drehbuch aushelfen zu lassen, rein technisch ist der Film nämlich durchaus ordentlich: Man spürt Marzuks Erfahrung als Editor, die ihm bei der Regiearbeit direkt zugute kommt, er arbeitet präzise und kann ein paar technisch wirklich überzeugende Momente erschaffen. Marzuk sollte es zukünftig manchem großen Filmemacher gleichtun und sich auf seine Fähigkeiten besinnen. Keine eigenen Drehbücher mehr schreiben, sondern fremdes Material umsetzen: Dann stehen die Chancen durchaus gut, ein nicht so muffiges Potpourri nach dem Beavis and Butt-Head-Prinzip vor die Nase gesetzt zu bekommen. 2007-10-29 14:05
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