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Odette Toulemonde

F/B 2007. R,B: Eric-Emmanuel Schmitt. K: Carlo Varini. S: Philippe Bourgueil. M: Nicola Piovani. P: Bel Ombre Films, Antigone Cinéma u.a. D: Catherine Frot, Albert Dupontel, Jacques Weber, Fabrice Murgia u.a.
100 Min. Senator ab 25.10.07

Träume aus lila Federflaum

Von Maike Damm Welche Konsistenz haben Träume? Ebnet Bescheidenheit den Weg zum Glück? Und wie wird ein tristes Leben zum Feuerwerk der Gefühle? Mit Bildern scheint es dem französischen Autor Eric-Emmanuel Schmitt leichter gefallen zu sein, diese Fragen zu beantworten, als mit Worten. Für Odette Toulemonde greift er zum ersten Mal nicht zur Feder, und dennoch soll die Literatur eine tragende Rolle spielen.

Protagonistin Odette Toulemonde führt ein bescheidenes Leben. Tagsüber arbeitet sie in der Kosmetikabteilung eines Kaufhauses, abends näht sie Plüschfedern an die Kostüme Pariser Revuetänzerinnen. In ihrer Freizeit hauchen die Romane des Schriftstellers Balthazar Balsan ihrem kleinen, leisen Leben etwas Größeres, Bewegenderes ein. Trotz ihres tristen Alltags sieht sie durch ihn und seine Schmalzromanzen nur das Schöne, läßt sich immer wieder überraschen und vom Leben verzaubern.

Odette Toulemonde ist eine märchenhaft erzählte Geschichte von zwei Außenseitern, die scheinbar unvereinbare Wege gehen, mit ein und demselben Ziel: das Glück. Odette ist überzeugt, daß sie ihres Balthazar verdankt, weil sie aus seinen Romanen Hoffnung und Lebensfreude schöpft. Doch trägt Odette das Glück bereits in sich, ist längst an ihrem Ziel angekommen. Für Balthazar wird sie zur Lehrerin, gibt ihm eine Anleitung zum Glücklichsein. Odette Toulemonde – sowohl sie selbst als auch ihre Geschichte – sprudelt vor Fantasie, die Eric-Emmanuel Schmitt visuell umsetzt. Er macht ihre spärlich und doch mit Liebe eingerichtete Wohnung zum Märchenland, wenn er auf Zimmerwänden Odettes Innenleben – ihre Gefühle und Träume – abbildet. Daß ihre Wünsche und ihr Glück ganz nah sind, zeigt sich in einer Schlafzimmer-Szene, in der sich an Odettes Bettende zwei Liebende im Sonnenuntergang am Strand küssen. Sitzt sie in der Badewanne, dann umrandet sie ein exotisches Bühnenbild mit bunten Vögeln und Ananasstauden.

Trotz allen Kitsches verkommt die Protagonistin nicht zur platten Märchenprinzessin, was allein der Darstellerin Catherine Frot zu verdanken ist. Mit Poesie und Charme schwebt sie über den Dingen und verzaubert ihre Umwelt. Wenn sie vor lauter Glück tatsächlich abhebt, erinnert sie durchaus an eine Mary Poppins, ihre Sinnlichkeit verleiht ihr dazu einen Hauch von Amélie. Sie ist attraktiv und witzig, der Zuschauer lacht mit ihr, nicht über sie, und selbst in überzogen fantastischen Szenen zaubert sie ihm ein gerührtes Schmunzeln auf die Lippen. Durch sie schafft es Odette Toulemonde zu einer kleinen, aber feinen Geschichte über das Glück einer Allerweltsfrau – Odette Toulemonde, zu deutsch: Jedermann. 2007-10-22 11:13

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.
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