— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Trade – Willkommen in Amerika

Trade. USA/D 2007. R: Marco Kreuzpaintner. B: José Rivera, Peter Landesman. K: Daniel Gottschalk. S: Hansjörg Weißbrich. M: Jacobo Lieberman, Leo Heiblum. P: Claussen + Wöbke u.a. D: Kevin Kline, Alicja Bachleda, Paulina Gaitan u.a.
120 Min. Fox ab 18.10.07

World Wide Weg

Von Martin Thomson Nach seinem Regie-Erfolg Sommersturm erging es Marco Kreuzpaintner wie vielen seiner deutschen Kollegen: Er konnte sich dem Ruf Hollywoods nicht entziehen. Doch statt sich vom Strom seichter Unterhaltungskost treiben zu lassen, muß er sich zu Höherem berufen gefühlt haben: In Trade geht es um nichts Geringeres als um Menschenhandel, Zwangsprostitution und darum, wie sich jene Praktiken im Zuge der Globalisierung zu einem undurchsichtigen Komplex verknotet haben.

Vor der Inhumanität, die den Opfern dabei angetan wird, schreckt der Jungregisseur zugunsten der Dringlichkeit, die seine Thematik hat, nicht zurück. Im Gegenteil: Die entführten Jugendlichen werden Opfer jeder körperlichen Ausbeutung, die vorstellbar ist. Daß es sich dabei letztlich nur um eine Anhäufung von Grausamkeiten handelt, die keinem anderen Ziel dient, als durch das radikale Aufzeigen ihrer Ausgestaltung appellieren statt analysieren zu wollen, ist Fluch und Segen dieses Films, der immer nur dann bemerkenswert ist, wenn er aufzeigt statt zu erklären, wenn er anhand von präzise beobachteten Details die unmittelbaren Funktionsweisen des Menschenhandels zwischen logistisch funktionierendem Großkonglomerat und kleingaunerhaftem Hinterhofgeschäft offenbart. Denn eigentlich variiert Kreuzpaintner nur die bekannten Aspekte seines Themas und verleiht ihnen an jenen Stellen spitze Kanten, wo es allzu offensichtlich schmerzen muß. Also immer dann, wenn die Umstände einen Offenbarungsmoment parathalten, der dem aufklärerischen Sinn des Gesamtunterfangens Rechnung trägt. Immer da, wo er zu erklären versucht, gelingt es ihm nicht, über bekannte und naive Antworten hinauszugelangen. Es gibt in Trade also ein großes Gefälle zwischen einem Realismus, dem er seine Direktheit verdankt, und der Art und Weise, wie er diese Direktheit mit Erklärungsmodellen zu rechtfertigen versucht, so daß letztendlich ein aufgeladenes Gesamtbild bleibt, dem keine Entladung folgt. 2007-10-15 12:07

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap