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Invasion

The Invasion. USA 2007. R: Oliver Hirschbiegel. B: David Kajganich. K: Rainer Klausmann. S: Hans Funck, Joel Negron. M: John Ottman. P: Village Roadshow, Silver Pictures, Vertigo Entertainment. D: Nicole Kidman, Daniel Craig, Jeremy Northam, Jeffrey Wright u.a.
99 Min. Warner ab 18.10.07

Gegen den Weltfrieden

Von Oliver Baumgarten Mit dem Absturz einer Raumfähre findet eine außerirdische Substanz ihren Weg auf die Erde, wo ein in ihr enthaltener, extrem virulenter Virus kontinuierlich Besitz aller Menschen ergreift. Der Virus macht die Bevölkerung zu scheinbar willfährigen, absolut emotionslosen Wesen, die zwar eine Gemeinschaft unter sich empfinden, deren genauen Ziele aber nebulös bleiben. Sobald der Virus den Körper infiziert hat, nutzt er die nächste Schlafphase, um den Menschen dann endgültig umzuwandeln. Für unsere Helden bedeutet das natürlich auf der Suche nach einem Gegenmittel: wach bleiben und keine Regung zeigen.

Mit der vierten Body Snatchers-Verfilmung debütiert Regisseur Oliver Hirschbiegel in Hollywood – daß er es drei Jahre nach Der Untergang in diesem Film wieder mit willfährigen Massen zu tun hat, dürfen wir mal als Zufall konstatieren. Trotzdem fragt man sich natürlich angesichts der aus dem Zombiefilmgenre bekannten Bilder von emotionslosen, ferngesteuerten Menschen, die – nicht wirklich physisch brutal werdend, aber doch mit extrem negativer Aggression ausgestattet – die Welt einzunorden versuchen, man fragt sich also, wofür dieser Virus im Film im übertragenen Sinne in unserer realen Welt wohl stehen könnte. Die Medien, die uns gleichzuschalten versuchen? Die Computerspiele, die uns emotionslos werden lassen, die Pazifisten und Umweltheinis à la Al Gore, deren moralische Vernunft einem auch jeden Spaß verderben kann? Ganz klar läßt der Film keine dieser Assoziationen durchscheinen, doch gehört es zu seinen Stärken, wenn ganz beiläufig im Hintergrund Nachrichten laufen und es so aussieht, als ob diese kalten, emotionslosen Wesen sich global als Gemeinschaft verstehen und es im Nu schaffen, sämtliche Kriege auf dieser Welt zu beenden. Und so will uns der Film am Ende eben genauso wie seine Helden vor die Wahl stellen: eigener Wille und emotionale Eigenschaften im guten wie im schlechten und damit auch Neid, Mißgunst und Kriege oder ein Leben ohne Gefühle, gleichgeschaltet und in der Masse aufgehend, dafür aber Weltfrieden inklusive einer pervertierten Gerechtigkeit. Selbstverständlich entscheidet sich der Film und mit ihm Nicole Kidman und mit ihr auch der Zuschauer gegen den faschistischen Weltentwurf und die Ambivalenz, die das Drehbuch entwickelt. Damit allerdings auch gegen den Weltfrieden, wenn der so öde ist wie diese seelenlosen und zombieartigen Menschenwesen das vermuten lassen.

Sie merken: Man hat viel Zeit während des Films, sich so seine Gedanken zu machen. Invasion ist insofern keineswegs langweilig – eher eine Spur zu gewöhnlich und am Schluß auch unentschieden. Nicole Kidman liefert, was man von ihr erwartet, während Daniel Craig wie immer Daniel Craig ist, da ist nicht mehr viel zu erwarten, seit er 1997 sein Glanzmoment in Love Is the Devil hatte und nun bis auf weiteres zur Bond-Ikone erstarrt ist. Das Buch liefert ein paar schöne Ansätze, wird nach hinten raus allerdings irgendwann erschreckend banal, und Oliver Hirschbiegels Inszenierung versucht ganz routiniert zu wirken. Für die Bildebene hat er ja mit dem Editor Hans Funck und dem Kameramann Rainer Klausmann seine Vertrauten mitgebracht, was sich als gute Entscheidung erweist, denn optisch macht Invasion durchaus etwas her. Zarte und warme Bilder begleiten die menschlichen Episoden, Härte und Kühle prägen alles Außerirdische – ein ebenso simples wie schön umgesetztes Kamerakonzept, das sich in der Montage in den besten Momenten zu Emotion und Spannung verdichtet. Am Ende reicht das allerdings nicht, um sich vollends anstecken zu lassen. 2007-10-16 21:05
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