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Ratatouille

USA 2007. R,B: Brad Bird. R: Jan Pinkava. K: Robert Anderson, Sharon Calahan. S: Darren Holmes. M: Michael Giacchino. P: Pixar.
111 Min. Buena Vista ab 3.10.07

Ratte sich wer kann!

Von Daniel Albers Eine Ratte als Hauptfigur eines Films? Klar – wenn es ein CGI-Film ist, kein Problem! So langsam hat so ziemlich jedes Tier eine Hauptrolle in einem computeranimierten Film gespielt – warum nicht endlich auch mal eine Ratte? Brad Bird, Regisseur von The Incredibles, des Genrevertreters, der es bisher am besten vermocht hat, die ungleich schwierigere Animation menschlicher Gesichter zu meistern, serviert mit Ratatouille dieses Mal absolut erstklassige Nagetier-Feinkost, die sich wohltuend von den inflationären »Lustige Tiercombo besteht gefährliche, aber witzige Abenteuer«-Stories à la Over the Hedge oder Madagascar abhebt.

Ratte Remy ist unglücklich – sieht er doch seine Talente und seinen Feingeist nicht genügend gewürdigt unter seiner banausenhaften Rattenverwandtschaft in der Kanalisation von Paris. Sein hochfeines Näschen führt ihn deswegen eines Tages schnurstracks in die Pariser Oberwelt und in das Nobelrestaurant, das immernoch den Namen seines einstigen Besitzers und Remys großen Vorbilds Gusteau trägt, momentan aber unter seinem neuen, geldgierigen Chefkoch klar auf dem absteigenden Ast ist. Wie es der Zufall so will, bekommt Remy die Gelegenheit, mit Hilfe des unbedarften Lehrlings Linguini unerkannt sein großartiges Gespür für die Kreation von Haute Cuisine unter Beweis stellen zu können. Den Ruhm streicht natürlich sein Gehilfe ein, aber für Remy ist der große Lebenstraum in Erfüllung gegangen – bis die Pariser Gourmetwelt entdeckt, wer hinter den Kochkünsten von Linguini steckt.

Ratatouille ist eine einzige Parodie auf die kulturellen Eigenheiten der Franzosen und ihre Bohème geworden, ohne daß der Fehler gemacht wurde, mittels defunèsker Überdrehtheit das Ziel erreichen zu wollen. Vielmehr wird von Bird, Regisseur und Drehbuchschreiber in Personalunion, auch noch der uramerikanische Traum des Tellerwäschers, der zum Millionär wird, auf äußerst amüsante und kreative Art liebevoll durch den Kakao gezogen und so ein vielschichtiger, für alle Altersschichten überaus unterhaltsamer Animationsfilm aus dieser Melange. Allein schon die absolut nicht zu toppenden Sympathiewerte für die Hauptfigur Remy sorgen dafür, daß diese neue Speerspitze des Animationsfilms haften bleibt und die Erinnerung sogar an die bisher gelungensten Genrevertreter unweigerlich verblassen lassen wird. 1970-01-01 01:00
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