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Preußisch Gangstar

D 2007. R,B: Bartosz Werner, Irma-Kinga Stelmach. K: Ben Pohl, Andreas Bergmann. S: Marc Hofmeister. M: Benjamin Krbetschek, Preußisch Gangstar, Kolonne Ost. P: Fortuna Film, HFF Potsdam. D: Mario Knofe, Benjamin Succow u.a.
88 Min. defa-spektrum ab 4.10.07

Dumpfe Kälber

Von Thomas Warnecke Was Preußisch Gangstar fehlt, ist Humor. Vielleicht machen die Hauptdarsteller gelegentlich Witze, die wären aber nur in einer internationalen Festivalkopie mit Untertiteln zu verstehen, denn wenn nicht gerade irgendwelche Raps ins Mikro gebrüllt werden, nuscheln sich die drei Brandenburger eins zusammen, daß es seine Art hat.

Natürlich muß ein Film über ostdeutsche Jugendliche ohne Perspektive nicht lustig sein, aber kann dann etwas anderes herauskommen als schon Bekanntes? Die Filmemacher sind sicher mit den besten Absichten ans Werk gegangen. Der Film hat ein tragfähiges visuelles Konzept; die Handkamera spielt den Augenzeugen während zweier Nächte und Tage im Leben von Oli, Nico und Tino. Auf Spannung wird so weit es geht verzichtet zugunsten von, nu ja, Alltäglichkeit, zwischendurch springt manchmal unterstützend das Drehbuch ein, um mit ein paar Sätzen ein Vorher und mögliches Nachher der Handlung anzudeuten. Humor hätte aus der indolenten Haltung der Helden gegenüber etwaigen Anforderungen des sog. normalen Lebens (mit seinen vorgegebenen Hürden wie Ausbildung und Gelderwerb) eine heroisch-dandyhafte Resignation machen können. Stattdessen: Tristesse de l’est wie gehabt, ein Trotz, der ein wenig dumm wirkt.

Eine Spur, die sich durch den Film zieht, scheint allerdings bemerkenswert: Es gibt so etwas wie eine unausgesprochene Allianz der Väter mit den Jungs. Während die Mütter auf Taten drängen und sich Sorgen machen, schieben die Väter Aussprachen auf und die Großväter das nötige Geld zu. Eine Konstellation, wie sie ähnlich in vielen Nichtstuerfilmen zu finden ist. In Die Müßiggänger 1953 z.B. war die Vätergeneration durch den Faschismus dermaßen diskreditiert, daß keine Autorität die großen Kälber zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft machen konnte. Als Interpretationsansatz ist das eventuell zu didaktisch, liegt aber nicht zuletzt im Dokumentarismus der beiden Spielfilmdebütanten begründet. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.
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