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Stellungswechsel

D 2007. R,B: Maggie Peren. B: Christian Bayer. K: Christian Rein. S: Peter Kirschbaum. M: Superstrings, Caro Heiss, Mary Sidney Müller. P: Claussen + Wöbke. D: Florian Lukas, Sebastian Bezzel, Gustav-Peter Wöhler, Kostja Ullmann u.a.
90 Min. Fox ab 3.10.07

Gy hoam

Von Christian Lailach Die Montage macht auf Film-Film, die Kamera auf Traumschiff. Gern auch umgekehrt. Halt ein klassischer Fernsehfilm: Zu spät eingestiegen? Egal. Ach, Chips vergessen. Da war noch was. Toilette! Die anderen Lichtspielhausbesucher dürfte es erregen, träfest du sie nicht gerade auf den langen, multiplexen Wegen zum WC.

Soviel zur handwerklichen Seite, die sogar für den Laien erkennbar gewöhnlich sein dürfte. Lieber versuche ich dann doch mal genauer, das Geschehene wertfrei zu projizieren. Da ist ein Typ namens Gy – Gy von Günni, was ja bekanntlich wiederum eine Kurzform von Günter ist. Nun, Gy ist gelangweilt von seinem Polizisten-Dasein, und sein Kumpel (Namen vergessen) ist pleite. Da eröffnen sie ganz spontan und heimlich, weil auch so anrüchig, gemeinsam mit dem gerade gefeuerten Kolumnisten einer glamourösen Frauenzeitschrift eine Begleitagentur. Auf jeden Fall gehen die Geschäfte auch mit dem urkomischen Werbeslogan (den ich aber irgendwie auch vergessen habe) nicht so richtig gut. Eigentlich gehen sie auch gar nicht, bis durch Zufall die Damenbegleitdienstleister auf der Titelseite des Münchner Käseblattes auftauchen. Da glüht der Hörer! Alle treffen nach einem total witzigen Zwischenfall die perfekt zu ihnen passende Schutzbedürftige und landen mit ihr im Bett, unterm Tisch etc.

Die von Frau Peren zu Papier und Leinwand gebrachte Arbeit sowohl bezüglich des als existenzgefährdet dargestellten männlichen als auch des als dominierend exponierten weiblichen Geschlechts stellt sich derart erschütternd dar, daß sich Frau und Herr Emanzipation – platsch – ins Gesicht geschlagen fühlen müssen und vor lauter Sprachlosigkeit – klatsch – es nicht schaffen, noch die andere Hälfte rechtzeitig wegzuziehen.

Endlich, Schlußszene: Eine rauschende Party im Feinkostladen. Es fehlen nur noch die wunderbekerzten Köche, die zum krönenden Abschluß aus der Kombüse hereingeschwebt kommen. Aber da war der Kameramann leider schon nach Haus gegangen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.
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