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Wächter des Tages

Dnevnoy Dozor: Mel Sudbi. RUS 2006. R,B: Timur Bekmambetov. B: Sergei Lukyanenko, Alexander Talal. K: Sergei Trofimov. S: Dmitri Kiselev. M: Yuri Poteyenko. P: Bazelevs Production, Channel One Russia, Tabbak. D: Konstantin Khabensky, Mariya Poroshina, Vladimir Menshov u.a.
131 Min. Fox ab 20.9.07

Die Russen kommen

Von Maike Schmidt Das russische Kino, das seine großen internationalen Erfolge eher in der Vergangenheit zu verbuchen hatte, nimmt sich heuer einer Kommerzialisierung an, die gemessen an europäischen bzw. amerikanischen Standards in nichts nachstehen muß. Als im Jahre 2004 der Film Wächter der Nacht in die Kinos kam, war der Erfolg, wenn nicht vorhersehbar, doch ungeheuer. Der Film präsentierte ein neues Selbstbewußtsein, welches kreativ, neugierig und recht ungehemmt klassische Mythen in ein neues Setting setzte und sich modern der Welt zeigte. Das Projekt war angelegt auf die Bedürfnisse einer neuen Zuschauerriege, die angelernt wurde von großen Hollywood-Blockbustern, die Sehgewohnheiten und Erzählrhythmus prägten. Diesen Rezeptionswünschen ein russisches Pedant zukommen zu lassen, gelang dem Film und das mit dem Ergebnis größerer Einspielergebnisse als es die Herr der Ringe-Trilogie im Heimatland schaffen sollte.

Nun folgt die Fortsetzung, es treten auf die Wächter des Tages. Der im ersten Teil schon angelegte Sequelcharakter soll hier die Geschichte zu ihrem Ende führen und den Kampf zwischen Dunkelheit und Licht zu seinem besten oder, so sollte man wohl besser sagen, in fulminanter Weise auflösen. Und so braucht auch an dieser Stelle keine Inhaltsangabe zu stehen.

Daß die Spezialeffekt-Szenerien sich hinter internationalem Standard nicht verstecken müssen, sei durchaus erwähnenswert, wenn nicht wirklich bemerkenswert, doch werden diese entspannenderweise mit deutlich russischen Akzenten aufgepeppt. So ist jedem geneigten Kinogänger, wenn es ihm denn möglich ist, anzuraten, den Film im Original zu sehen, in der Hoffung, daß er in den Genuß der sehr kreativen Untertitelung kommt, die erstaunlich organisch »unter« den Film implantiert wurde. Wenn da ein Wort wie »Blut« plötzlich in roten Buchstaben zerfließend die Leinwand erleuchtet oder ein gehauchtes »Nein« sich in Nichts auflöst, paßt sich diese Umsetzung gut dem leicht schrillen Charakter des Films an. Dieser gibt dann auch dem Ende seinen prägenden Eindruck; die Zerstörung einer Stadt mittels eines Gummiballs hat die Welt dann wohl doch noch nie gesehen.

Über die schlußendliche Auflösung, die hier aber nicht verraten werden soll, läßt sich dann wiederum streiten, relativiert sie doch nicht nur die einmalige Schlußsequenz, sondern im Grunde den ganzen Film. Sie gibt aber den Machern auch die Chance, die Geschichte des Kampfes zwischen Gut und Böse noch einmal zu erzählen und dann immer wieder und wieder. 1970-01-01 01:00
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