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Tödliche Verbindungen

D 2006. R,B,S: Markus Kleinhans. R,B,S,K: Edgar Kraus. S: Burkhard Feige. M: Michael Armann. P: mekkmovie. D: Adnan Erten, Luky Zappatta, Liane Sellerer, Falk Janisch u.a.
82 Min. Stardust ab 13.9.07

Bayern-Trash

Von Patrick Hilpisch Die besten Geschichten schreibt das Leben – und wenn es dann noch »Mordsgeschichten« sind, umso besser. Das dachten sich auch die bayerischen Filmemacher Edgar Kraus und Markus Kleinhans und verfilmten die Hinter- und Vordergründe eines der spektakulärsten Mordfälle im Freistaat: den sogenannten »Tamponmord« von Bad Tölz. Zweieinhalb Jahre arbeiteten die beiden an ihrer Low-Budget-Produktion, die mit Laiendarstellern, einer gehörigen Portion Lokalkolorit und »Seventies-Flair« realisiert wurde.

Und tatsächlich muß sich die Story samt Figureninventar nicht vor einschlägigen fiktionalen Krimi-Plots verstecken. Ein mysteriöser Todesfall in der Kleinstadt, ein zusammengewürfeltes Ermittler-Duo, zwielichtige Verdächtige, sexuelle Abgründe, verbotene emotionale Verwicklungen mit Zeugen und ein spektakulärer Showdown – der wahre Mordfall von 1978 erscheint wie die Blaupause für den nächsten sonntäglichen Tatort.

Doch Kleinhans und Kraus unternehmen erst gar nicht den Versuch, mit den großen Fischen im Krimiteich um die Wette zu schwimmen, was angesichts des spärlichen Budgets und des bemühten, aber nahezu durchweg auf Laienniveau spielenden Casts ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Vielmehr machen sie aus der Not eine Tugend und stellen von Beginn an den skurrilen und trashigen Aspekt der Story in den Vordergrund.

Dies wird nicht nur in der Bildästhetik und der »Nachsynchronisation« des Films deutlich, die natürlich auch den bescheidenen Produktionsumständen geschuldet sind, jedoch auf diese Weise oftmals an die der deutschen Softsex-Filmchen der 1970er erinnern (das Thema Sex zieht sich ohnehin leitmotivisch durch den Film, allerdings ohne allzu plastisch dargestellt zu werden), sondern vor allem in den Dialogen zwischen den beiden Ermittlern, in denen flotte Sprüche, kleine Seitenhiebe, fiese Kommentare oder »philosophische Themen« wie die Inszenierung der Mondlandung der Amerikaner dominieren.

Auch bei der Zeichnung der Nebenfiguren wird meist trashiges »Over the Top« gepflegt – ein autoritärer Polizei-Chef, eine übereifrige, sexgeile Lokal-Reporterin, ein windiger Anwalt und viele kleine Auftritte von Charakteren, die zwar nur kurz, aber umso prägnanter zum skurrilen Ton von Tödliche Verbindungen beitragen. Besondere ironische Brüche stellen hier etwa der Tonspur-Cameo-Auftritt von Ottfried Fischer dar, der einem »beleibten bayerischen Buben« seine Stimme leiht, weitere Cameo-Auftritte lokaler Berühmtheiten oder der Running Gag mit dahinscheidenden gesuchten Terroristen.

Nimmt man Tödliche Verbindungen als das, was es ist – ein ambitioniertes Low-Budget-Herzensprojekt zweier bayerischer Filmemacher mit Vorliebe für Trash-Appeal – und stört man sich nicht an der an Pseudo-Dokus wie Lenßen & Partner oder K11 erinnernden Schauspielleistung, dann kann man durchaus während der überschaubaren 82 Minuten seinen Spaß haben. Die große Frage, ob der »Tamponmord« einen Kinobesuch wert ist, stellt sich jedoch zunächst nur den Bayern, da der Film vorerst nur in wenigen Kinos im Freistaat anlaufen wird. 1970-01-01 01:00
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