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Rezept zum Verlieben

No Reservations. USA 2007. R: Scott Hicks. B: Carol Fuchs, Sandra Nettelbeck. K: Stuart Dryburgh. P: Kerry Hysen. D: Catherine Zeta-Jones, Aaron Eckhart, Abigail Breslin, Patricia Clarkson, Bob Balaban u.a.
104 Min. Warner ab 13.9.07

Zu viel und doch zu wenig

Von Bettina Schuler Alles ist größer in Amerika, auch die Portionen der Haute Cuisine. So bekommt man statt eines kleinen runden Schälchens voll herrlicher Crème Brulé, wie es hierzulande und im Ursprungsland des Hochgenusses Frankreich üblich ist, in den USA gleich einen ganzen Pott des Leckerbissens. Überhaupt wird in dem Remake der überaus gelungenen Liebesgeschichte Bella Martha von Sandra Nettelbeck alles mit einem extra Stück Zucker versüßt: Die grimmige, sozialgestörte Martha Klein, im deutschen Original exzellent besetzt mit der miesepetrig dreinschauenden Martina Gedeck, wurde durch die dauerlächelnde Kate alias Catherine Zeta-Jones ersetzt, die wiederum nicht mit einem verlebten, aber extrem charmanten Italiener, sondern mit einem amerikanischen Surferboy mit Küchendiplom anbändelt. Ohnehin scheint diesem Remake genau das zu fehlen, was Bella Martha von den anderen deutschen Dramen unterscheidet: spritzige Dialoge, das richtige Maß an Kitsch und ein Hauch Tragikomik.

Obwohl sich Rezept zum Verlieben, an dessen Drehbuch auch die Ursprungs-Regisseurin und Autorin Sandra Nettelbeck mitwirkte, ziemlich streng an der Vorlage orientiert, Szenen eins zu eins übernommen hat und sich sogar an dem Soundtrack des Originals orientiert, scheint irgendetwas zu fehlen. Und so will der Funke, dessentwegen man Martina Gedeck gerne dabei zusieht, wie sie sich beleidigt in den Kühlraum ihrer Küche zurückzieht oder wie sie mal wieder versucht, ihren Psychotherapeuten mit einigen Leckerbissen von ihren Problemen abzulenken, nicht so recht überspringen. Auch der Familiengeschichte haben die Amerikaner ihre Kanten genommen: Kann sich in der deutschen Version Martha nur langsam dazu durchringen, ihr altes Leben für die Pflege der Tochter ihrer verstorbenen Schwester umzukrempeln, so ist in der USA-Version ganz klar, daß die Tante ab sofort für das kleine Ding sorgt. Dadurch wird der Geschichte die Dynamik genommen und das Augenmerk des Zuschauers von der Familienstory auf die Liebesgeschichte gelenkt. Doch auch die will nicht so recht funktionieren, weil hier, man mag es kaum glauben, eine ordentliche Portion Kitsch fehlt. Die überladenen Bilder mit Kuß im Morgengrauen, einem Bett voller roter Rosen oder einem Herz aus Kuchen, die man sich von einem ordentlichen Feel-Good-Movie verspricht, bleiben aus. Auch besagte Riesenportionen, welche die Restaurantbesucher auf ihren Tellern wiederfinden, machen keinen rechten Appetit: Die Essensszenen sind viel zu kurz, überhaupt nicht sinnlich und machen keine Lust auf mehr. Die Kamera gestattet kaum einen Blick zur Seite, hinter die Kulissen des Restaurants und in den Topf der Küchenchefin. Ihr gelingt es nicht, die richtigen Bilder für die Bindungsunfähigkeit zu finden, die Kate durch ihre Kochleidenschaft zu kompensieren versucht. Doch was dem Film vor allem fehlt, ist schlicht und ergreifend eine Schauspielerin wie Martina Gedeck. 1970-01-01 01:00
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