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Die Regeln der Gewalt

The Lookout. USA 2007. R,B: Scott Frank. K: Alar Kivilo. S: Jill Savitt. M: James Newton Howard. P: Miramax, Spyglass Entertainment. D: Joseph Gordon-Levitt, Jeff Daniels, Matthew Goode u.a.
99 Min. Walt Disney ab 13.9.07

Auf den Kopf gefallen

Von Daniel Bickermann Bis die Handlung losgeht, hat Scott Frank eigentlich einen faszinierenden Film geschaffen. Mit einer ebenso euphorischen wie schmerzhaften Eröffnungssequenz hat er einen interessanten Hauptcharakter geschaffen, der auf der Jagd nach ein wenig Schönheit in seinem Leben buchstäblich zerschellt ist und seitdem mit Gehirnschaden lebt. Fernab vom Klischee des irgendwie schrägen, aber auch drolligen und wohlmeinenden Autisten führt er den jungen Chris, inzwischen vier Jahre nach dem Unfall, in einigen prägnanten Sequenzen als noch immer alltagsuntaugliches und im Wortsinne asoziales Wrack ein, das sich nur mit Hilfe ständiger Notizen und des blinden Vaterersatzes Lewis von seinen wiederkehrenden Wutattacken und Wortfindungsstörungen ausruhen kann. Nur, wie gesagt, geht dann leider die Handlung los.

Denn natürlich will Chris mehr vom Leben und Regisseur und Autor Scott Frank mehr von seinem Film, und beiden wird das zum Verhängnis. Frank, der bereits die kongenialen Elmore-Leonard-Adaptionen Out of Sight und Get Shorty verfaßte, bricht das Charakterdrama schnell ab zugunsten eines halbgaren Krimiplots, dem leider jede Originalität fehlt. Ein zwielichtiger Kumpel, der Chris ein viel zu hübsches Mädchen beschafft und ihn neben andauernden Lobhudeleien auf seinen Job als Nachtwächter in einer Bank anspricht, da wird man als Zuschauer mit Zaunpfählen geradezu verprügelt. Oh, und das viel zu hübsche Mädchen trägt zudem den erstaunlichen Namen Luvlee Lemmons. Nein, daß Chris da nichtsahnend reinrutscht, das nimmt man ihm selbst mit Gehirnschaden nicht so richtig ab.

Stilistisch wandelt Frank dabei eher auf Soderberghs Spuren und kleidet seinen Film in einen winterlichen, blaustichigen Neo Noir in edlem Stil, dazu wird Twang-Gitarre und Jazzschlagzeug serviert. Aber was einem nachdenklichen George Clooney-Krimi gut zu Gesicht stand, ist einige Nummern zu groß für den bis an die Grenze zur geistigen Behinderung verstörten Chris (den Joseph Gordon-Levitt löblich spielt, ohne allerdings ähnlich glänzen zu können wie im letztjährigen Highlight Brick). Zu viele Motive geraten Regisseur Frank zusammenhangslos und finden keinen Wiederhall in der Handlung: Das Neonkreuz vor Chris’ Fenster erinnert an Scorseses Mean Streets und sieht auch richtig gut aus, wie es so in sein Zimmer hineinleuchtet, aber ebenso wie Chris’ Ex-Freundin, die ihm seit dem Unfall immer wieder als warnendes Memento vor der eigenen Hybris erscheint, fällt es irgendwann einfach ungelöst aus der Handlung heraus und wird keiner weiteren Erwähnung gewürdigt. Dazu kommen eine ärgerliche Passage in wackliger Handkamera, die so gar nicht zum getragenen Stil des restlichen Films passen möchte, und ein allzu lascher Abschluß des Drehbuchs, und schon ist ein eigentlich solide gespielter und in Ansätzen interessanter Film verschenkt und verpufft. 1970-01-01 01:00
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