— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Salvador – Kampf um die Freiheit

Salvador. E/GB 2006. R: Manuel Huerga. B: Lluis Arcarazo. K: David Omedes. S: Santy Borricon. M: Luis Llach. P: Mediapro. D: Daniel Brühl, Tristán Ulloa, Leonardo Sbaraglia, Leonor Watling u.a.
129 Min. MFA ab 13.9.07

Gegen das Vergessen

Von Sascha Ormanns Vorneweg sei gesagt, daß Salvador – Kampf um die Freiheit auf wahren Begebenheiten beruht – eine Floskel, die bei Filmen des öfteren bemüht wird, um der Geschichte mehr Authentizität (und eventuell Spannung) zu verleihen. Im Fall von Salvador funktioniert das auch ganz anständig, die Nähe zur Realität wirkt nicht konstruiert. Manuel Huerga erzählt die Geschichte um die Aktivitäten und die Zeit im Gefängnis (bis hin zur Hinrichtung) des spanischen Anarchisten und Franco-Gegners Salvador Puig Antich.

Sowohl Spanien als auch Europa haben die Zeit des Franco-Regimes bis heute nicht aufgearbeitet, zwar gelang nach Francos Tod ein friedlicher Übergang Spaniens zur Demokratie – das Land wurde praktisch direkt in die EU aufgenommen – jedoch wurde erst in der Nacht zum 17. März 2005 die Statue Francos auf der Plaza San Juan de la Cruz in Madrid zu Fall gebracht. Bei dieser Abrißaktion gab es diverse »Übergriffe« von Gegnern dieser Aktion – woran die Unsicherheit der spanischen Bevölkerung mit diesem Thema zu erkennen ist – sodaß die Polizei kontrollierend eingreifen mußte.

Mit Manuel Huergas Film kommt jetzt ein Versuch in die Kinos, einen Schritt in Richtung Aufarbeitung zu unternehmen. Salvador versucht sich dabei mit einer Art Zweiteilung. Der erste Teil behandelt die Aktivitäten des Salvador Puig Antich, zuerst als Mitglied der Gewerkschaftsbewegung »Comisiones Obreras«, später als Teil des militärischen Flügels der anarchistischen Freiheitsbewegung »Movimiento Ibérico de Liberación« (MIL), der bewaffnete Banküberfälle durchführt, um Geld für Aktionen gegen das Franco-Regime zu beschaffen. In dieser ersten Hälfte gibt es eine Stimme aus dem Off – die des Protagonisten – wodurch der Film einen leicht dokumentarischen Charakter erhält. Im zweiten Teil geht es um Salvadors Zeit im Gefängnis, die verzweifelten Versuche, ihn vor der drohenden Todesstrafe zu bewahren und nicht zuletzt um seine (bevorstehende) Hinrichtung.

Eine ebensolche »Zweiteilung« findet in den von David Omedes fotographierten Bildern statt – ist die erste Hälfte noch (Zuversicht ausstrahlend) in warme Farben gehüllt, entwickelt die Kamera im darauf folgenden Teil Bilder mit kalten, blau-grauen Farben, die die bedrückende Gefängnisatmosphäre noch unterstreichen. Hinzu kommen die überzeugenden schauspielerischen Leistungen, vorneweg Daniel Brühl, der den Anarchisten Salvador Puig besonders in zweiten Teil des Films wirklich glaubhaft darstellt.

Bleibt zu hoffen, daß Manuel Huergas interessanter und überzeugender Film ein adäquat großes Publikum findet, um die Geschichte vom »Freiheitskämpfer« Salvador Puig in Europa zu verbreiten, denn manch außerspanischem Kinogänger könnte diese traurigerweise noch unbekannt sein: Eine zu wichtige Person (der Zeitgeschichte), um in Vergessenheit zu geraten. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap