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Zwischen Fremden

Between Strangers/Cuori estranei. CDN/I 2001. R,B: Edoardo Ponti. K: Gregory Middleton. S: Roberto Silvi. M: Zbigniew Preisner. P: Overseas Filmgroup. D: Sophia Loren, Mira Sorvino, Deborah Kara Unger, Pete Postlethwaite, Klaus Maria Brandauer, Gérard Depardieu, Malcolm McDowell, John Neville u.a.
95 Min. Solo-Film ab 27.11.03

Parallele Selbstfindung

Von Frank Brenner Edoardo Ponti trägt den großen Namen seines Vaters Carlo, einem der wichtigsten Produzenten des italienischen Nachkriegskinos. Mit seinem ersten Langspielfilm hat er zudem seine Mutter, die Filmdiva Sophia Loren, in deren 100. Film inszeniert. Es ist einer der ersten Auftritte des mittlerweile knapp 70jährigen Busenstars, der diesen mit grauen Haaren und sichtbar gealtert als gebrochenen Charakter präsentiert. Die Loren spielt eine aufopferungsvolle Ehefrau, die in den letzten 50 Jahren für ihren querschnittsgelähmten Mann da war und ihre eigenen Träume unterdrückte. Pontis Film beschreibt den Abschnitt im Leben dieser Frau, in dem sich eine Wandlung vollzieht, sie aus ihrem bisherigen Alltag ausbricht und zu sich selbst findet. Das hat sie mit zwei anderen, ihr unbekannten und jeweils anderen Generationen angehörenden Frauenfiguren gemeinsam, deren Selbstfindung Ponti in parallel verlaufenden Geschichten ebenfalls schildert.

Die etwas platte Symbolik in Gestalt eines kleinen summenden Mädchens, das die drei Frauen unabhängig voneinander aus ihren Lethargien reißt und sie zwingt, ihr bisheriges Leben zu überdenken, hätte sich Ponti durchaus schenken können. Auch ohne dieses geheimnisvolle Wesen wären die Wandlungen seiner Protagonistinnen aus den jeweiligen Lebenssituationen und Ereignissen heraus glaubhaft und nachvollziehbar gewesen. Neben der Loren kann sich Ponti auf eine ganze Reihe namhafter Darsteller verlassen, die ihren Figuren mit all ihren Fehlern, Zweifeln, aber auch Liebenswürdigkeiten ein Gesicht geben. Mit diesem famosen schauspielerischen Potential kann es sich der Regisseur auch erlauben, seine ruhige Kamera ungewöhnlich lange auf den Personen verharren zu lassen, ohne daß Peinlichkeiten oder Langeweile entstünden. Ein weiteres Beispiel für einen gelungenen Ensemblefilm, der mit seinen drei Geschichten existentielle Probleme dreier Frauengenerationen thematisiert, der Gefühlswelt der Figuren viel Platz einräumt, die Fragen jedoch keineswegs totdiskutiert, sondern vieles einfach den aussagekräftigen Bildern überläßt und somit auf elegante und eingängige Weise zu überzeugen versteht. 1970-01-01 01:00
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