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Zum Glück geküßt

Just my luck. USA 2006. R: Donald M. Petrie. B: I. Marlene King. K: Anastas Michos. S: Debra Neil-Fisher. M: Teddy Castellucci. P: New Regency Entertainment, Cheyenne Enterprises. D: Lindsay Lohan, Chris Pine, Faizon Love u.a.
102 Min. Kinowelt ab 17.8.06

Generation Klon

Von Mary Keiser Weltverbessern ist out. Bausparen ist cool. Kennen wir schon aus den neokonformistischen Spots der LBS. In der Generation Golf schwimmt man mit dem Strom, statt aus der Reihe zu tanzen, was uns ein Film wie Zum Glück geküßt nicht nur inhaltlich, sondern auch formal beweist. Mit einer Screwball-Comedy, als die der Film angepriesen wird, hat er deshalb auch ungefähr soviel gemein wie Katharine Hepburns Ausstrahlung mit der Lindsay Lohans. Statt also bei diesem Filmerlebnis skurrile Charaktere, unberechenbare Wendungen oder gar Dialogwitz zu erwarten, kann man die Zeit im Kinosaal besser nutzen, um etwas über die Glücksdefinition der Bauspargeneration zu lernen.

Glück ist…
…wenn man beim Bürgersteigüberqueren von der Haustür bis zum Taxi nicht mit dem Designerfummel in den Regen kommt.
…wenn man mit der wandelnden Kulmination aller kalifornischen Surf Boys und Highschool-Quarterback-Klischees ausgehen darf.
…wenn man vor der tyrannischsten aller Chefinnen die Gelegenheit zum Kriechen bekommt und dafür befördert wird.
Aber selbst diese ganz besonderen Glücksfälle verblassen vor dem wahren Zenit des Glücks: Die Reinigung liefert der strahlenden Ashley aus Versehen das Kleid von Sarah Jessica Parker (Kreisch!).

Nur leider gilt, seit sich die Amerikaner dem Joch der fernen englischen Krone widersetzten, Erfolg ohne Leistung als inakzeptabel. Also muß die Glücksfee erst einmal den umgekehrten Weg von der Prinzessin zum Aschenputtel gehen, um als Selfmadewoman ein Anrecht auf Glück zu erwerben. Dies kommt in Form von Jake, eines klaren Losers, der es schockierenderweise mit 25 immer noch nicht zum erfolgreichen Jungunternehmer gebracht hat. Aber besser spät als nie schafft er es natürlich am Ende, und auch seine Angebetete rappelt sich wieder auf – man muß eben nur wollen. Wer Arbeit sucht, der findet auch welche.

Das verdiente, ehrliche und ungetrübte Glück besteht unterm Strich in finanziell abgesicherter Romantik. Jake hat durch unermüdliches Speichellecken neun Minuten Redezeit beim großkapitalistischen Chef einer seelenlosen Plattenfirma ergattert und bringt seine angepaßte Retropopband dadurch in die Hitparade. Ein wenig tröstlich sticht aus dieser Gehirnwäsche der Kommentar des alternden Roadies heraus: »Die sehen für mich alle gleich aus.«; Aber was innerhalb des Films gilt, gilt auch für die Intention seiner Entstehung: Hauptsache, die Kohle stimmt. 1970-01-01 01:00
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