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Zu Verkaufen

A vendre. F 1998. R,B: Laetitia Masson. K: George Diane. S: Ailo Auguste. M: Siegfried. D: Sandrine Kiberlain, Sergio Castellitto, Aurore Clement u.a.
117 Min. Arthaus ab 1.7.99
Von Mark Stöhr Zu Verkaufen ist die Geschichte über zwei Menschen, die es nicht geschafft haben, ihrem Leben eine kontinuierliche Logik zu geben, und deren Lebensspuren schon im Moment ihrer Markierung vom Verlöschen bedroht sind. Da ist keine Sicherheit verbürgende Vergangenheit, nichts Zukunftweisendes. Die Pointe des Films besteht darin, daß der eine den Weg des anderen zu rekonstruieren versucht und sich damit selbst die Illusion einer biographischen Kohärenz verschafft. Die Rekonstruktion des anderen ist gleichzeitig die eigene.

Luigi Primo, ein glückloser Rechtsanwalt, wird von seinem Freund Pierre beauftragt, dessen Braut France zu suchen, die am Tag der Trauung nicht nur nicht in der Kirche erschien, sondern auch noch seinen Safe leerräumte und mit 500 000 Francs verschwand. Luigi beginnt eine Tour de France, sich von Hinweis zu Hinweis, von Etappe zu Etappe hangelnd, und gewinnt im Laufe seiner Recherchereise das immer präzisere Porträt einer Frau, die aus Angst, abhängig zu werden und ihre Autonomie einzubüßen, sich kaum Gefühle für andere Menschen gestattet und Beziehungen nur als Zahlungsverhältnisse zuläßt. Geld ist für France nicht nur ein Distanzmittel, sondern gewährt ihr auch die Möglichkeit, die Qualität der Begegnung mit anderen kalkulatorischen Schemata und damit der eigenen Kontrolle zu unterwerfen.

Für Luigi jedoch wird die Spurensuche immer mehr zu einem Ausmessen seines persönlichen Horizonts, und so wie Frances Lebenskoordinaten immer mehr in Unordnung zu geraten scheinen, erweist sich das System seiner eigenen zunehmend als fragwürdig und instabil.

Was eine spannungsreiche Personenkonstellation hätte leisten können, nämlich einen interessanten filmischen Diskurs über die Behauptung und den Verlust von individuellen Lebensentwürfen und Identitätskonstruktionen, bleibt leider ein uneingelöstes Versprechen. Zu Verkaufen versagt seinen Figuren die Chance, sich freizumachen von den ideologischen Postulaten ihrer Autorin. Ihr Agieren rezitiert die existentiellen Brüche mehr als sie zu zeigen. Was bleibt, ist eine gute Drehbuchidee. Den Rest könnten wir auch nachlesen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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