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Zoolander

USA 2001. R,B: Ben Stiller. B: Drake Sather, John Hamburg. K: Barry Peterson. S: Greg Hayden. M: David Arnold. P: Red Hour. D: Ben Stiller, Owen Wilson, Christine Taylor, Will Ferrell, Milla Jovovich, Jerry Stiller, Jon Voight, David Bowie, Winona Ryder, Natalie Portman, Donald Trump u.a.
105 Min. UIP ab 27.12.01

Fashion-Parodie

Von Carsten Happe Zoolander, Derek Zoolander. Ein Name, wie in Stein gemeißelt. Pures Dynamit. Blauer Stahl. Wer nicht bereits bei seiner Erwähnung vor seinem inneren Auge einen wahren Helden erkennt, darf diesen Film getrost an sich vorbei ziehen lassen. Derek Zoolander ist ein Supermodel, ach was, ein Superstar, cooler als Vincent Vega, gefährlicher als James Bond – wer braucht schon die MI6 Headquarters, wer König der VH1 Fashion Awards ist. Leider Gottes ist Zoolander aber auch beschränkter als Naddel Feldbusch und somit ein idealer Kandidat, für einen dreckigen Attentatsjob ausgenutzt zu werden. Der Premierminister Malaysias soll dran glauben, versetzen doch seine Gesetzentwürfe gegen Kinderarbeit der gesamten Modebranche einen kräftigen Schlag – und Zoolander in den größten Schlamassel seiner glorreichen Karriere.

Ben Stiller, seit There`s Something About Mary und Meet the Parents einer der Topkomiker Amerikas, hat mit Zoolander, seiner dritten Regiearbeit, erneut einen Film für die ganze Familie gedreht – Stillers eigene: Daddy Jerry spielt Zoolanders Agent, Mommy Anne Meara führt die Demonstranten gegen die Fashion Awards an, Gattin Christine Taylor verkörpert den Prototyp der engagierten Enthüllungsjournalistin, und Stiller selbst, zudem als Autor und Produzent fungierend, gibt den Derek Zoolander als Mischung aus Austin Powers und Wolfgang Joop. Wie bitter sich das im ersten Moment auch anhören mag, es funktioniert, über weite Strecken, einfach prächtig.

Obschon bereits Dokumentationen über das Fashion Business, etwa Catwalk oder Unzipped, wie ihre eigenen Parodien daherkamen, gelingt es Stiller, die abgedrehte Scheinwelt dieses egozentrischen Mikrokosmos noch weiter zu überhöhen und damit unweigerlich zu demaskieren. Leichtfüßig und doch präzise karikiert Zoolander sämtliche infamen Auswüchse der glitzernden Scheinwelt, platziert seine Gags punktgenau und wartet mit jenen wunderhübschen Szenen auf, die etwa bei den MTV Movie Awards immer so schmerzlich vermißt werden. Daß beispielsweise eine Parodie auf 2001 überhaupt noch funktioniert, zumal in einem äußerst überraschenden Kontext, verdient allemal Respekt. Nicht minder die beachtliche Gästeliste, deren voller Umfang man erst während des Abspanns gewahr wird; Verschwörungstheoretiker David Duchovny läßt sich unter seinem Vollbart zumindest erahnen, für Winona Ryder oder Claudia Schiffer muß man schon genauer hinschauen.

Ein pralles Unterhaltungspaket also, das Stiller und seine Co-Autoren da zusammengeschnürt haben, insbesondere Eighties-Fans und Eighties-Hassern – aus denselben Gründen – wärmstens ans Herz gelegt. 1970-01-01 01:00
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