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Zimt und Koriander

Politiki Kouzina. GR/TRK 2003. R,B: Tassos Boulmetis. K: Takis Zervoulakos. S: George Mavropsaridis. M: Evanthia Reboutsika. P: Village Roadshow Productions Hellas, ANS Production. D: George Corraface, Ieroklis Michailidis, Renia Louizidou, Stelios Mainas, Tamer Karadagli, Tassos Bandis u.a.
108 Min. Alamode ab 28.4.05

Die Würze des Lebens

Von Frank Brenner Daß ein griechischer Film den Weg in unsere Kinos findet, kommt viel zu selten vor. Selbst die neuesten Werke eines Regiealtmeisters wie Theo Angelopoulos werden trotz Festivalauszeichnungen nicht regulär auf hiesigen Leinwänden ausgewertet. Ausschlaggebend scheint für Verleiher mittlerweile vielmehr zu sein, ob der entsprechende Film eine nationale, besser natürlich: eine internationale Erfolgsgeschichte vorweisen kann und darüber hinaus auch noch den Sehgewohnheiten hierzulande folgt. Auf Tassos Boulmetis' Film treffen alle diese Vorzüge zu, er bietet aber auch ansprechende und intelligente Unterhaltung, was die Tatsache seines Kinoeinsatzes in Deutschland noch am meisten auszeichnet.

Boulmetis erzählt hier in mehreren »Gängen« die Geschichte einer Familie, die, halb griechisch, halb türkisch, in Istanbul lebte, als dieses noch Konstantinopel hieß. Die sich verschärfende politische Lage führte schließlich zur Ausweisung des Familienvaters Savvas Iakovidis, dem Frau und Sohn nach Athen folgten. Opa Vassilis blieb mit seinem kleinen Gewürzladen zurück in der Türkei. Aus der Perspektive des Enkels Fanis schildert Zimt und Koriander die mehrfach fehlgeschlagene Kontaktaufnahme mit dem Großvater, an die auch Fanis' hoffnungslose Liebesbeziehung zu seiner Kindheitsfreundin Saime geknüpft ist.

Anhand der reichhaltigen Gewürzkammer des Großvaters und der Leidenschaft Fanis' fürs Kochen vermittelt Tassos Boulmetis seine netten Lebensweisheiten. Wann ist es wichtig, einem Gericht ein falsches Gewürz unterzumengen, um ein in der Luft hängendes Gespräch innerhalb der Familie ins Rollen zu bringen? Welche Gewürze stehen für welche Planeten und finden in welchen Teilaspekten des Lebens ihre Entsprechung? Fragen wie diese wirft der Film auf und liefert stets mit einem Lächeln die klugen Antworten dazu. Die Opulenz der sich über mehrere Jahrzehnte hinstreckenden Familiengeschichte und der Einsatz eines Off-Erzählers erwecken häufig den Eindruck, dass Zimt und Koriander die Verfilmung eines komplexen Romans ist. Doch Boulmetis hat die Geschichte originär für seinen Film geschrieben, wobei er sich als Inspirationsquelle Ereignisse seines eigenen Lebens und seiner Familiengeschichte zunutze gemacht hat. Seine Spezialisierung auf elektronische Bildgestaltung kommt in diesem Film auch immer wieder effektvoll zum Einsatz, so beispielsweise, wenn er zusammen mit seinem Kameramann Takis Zervoulakos einen der eindrucksvollsten Establishing Shots der letzten Jahre kreiert, um mit einer Mischung aus digitaler Animation und ausgetüftelter Kamerafahrt die Erzählung im Istanbul der 50er Jahre zu beginnen. Ein bekömmliches Menü, das die Sinne stimuliert und sein Publikum zufrieden entläßt. 1970-01-01 01:00
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