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Zeus & Roxanne

USA 1997. R: George Miller. B: Tom Benedek. K: David Connell. S: Harry Hitner. M: Bruce Rowland. D: Steve Guttenberg, Kathleen Quinlan, Nico Hughes, Arnold Vosloo u.a.
98 Min. Concorde-Castle Rock/Turner ab 10.7.97
Von Antje Krumm Ein Hund, der einen Delphin liebt, ein Mann, der eine Frau liebt, und viele Kinder, die sich kennenlernen und prima verstehen – das sind die Zutaten dieses romantischen Tierfilms für Kinder. Die Story ist banal, aber verworren: Der verwitwete Terry, sein Sohn Jordan und Promenadenmischung Zeus verbringen die Ferien in den geradezu widerlich idyllischen Florida-Keys. Im Nachbarhaus wohnt Mary Beth, alleinerziehende Mutter zweier pubertierender Töchter. Terry findet die Delphinforscherin von nebenan ganz schön dufte, und auch die Kinder wollen die Eltern verkuppeln.

Die Romanze nimmt ihren Lauf, als Zeus dem verwaisten Delphin Roxanne näherkommt. Dieser ist das Forschungsobjekt von Mary Beth. Er soll ausgewildert werden, weigert sich aber, mit den anderen Delphinen Kontakt aufzunehmen. Nun kommuniziert er munter mit dem Hund, und diese tierische Freundschaft soll Forschungsgelder lockermachen. Das bringt natürlich auch Mary Beth und Terry einander näher: Bald schon führt er sie zum Tanzen aus – sie werden ein Paar. Alles wäre eitel Sonnenschein, wäre da nicht der Fiesling Claude, der anfangs mit seinen rücksichtslosen Experimenten an Delphinen in Gefangenschaft die besseren Aussichten auf die Fördergelder hat, nun aber die Konkurrenz wittert. Er möchte die Resultate von Mary Beths Untersuchungen klauen – und am besten auch direkt Roxanne in sein Labor entführen.

Selbstverständlich siegt zum Ende das Gute auf ganzer Linie: Eine große, glückliche amerikanische Familie im Palmenparadies wird schließlich durch das Sakrament der Ehe für immer zusammengefügt, und auch Hund und Delphin geben sich den Ja-Laut.

Der gefühlsduselige Streifen läßt kein Handlungsklischee aus, das der Kinderfilm mit Tieren ihm bietet: Zeus läuft einmal quer durch die USA, um Roxanne wiederzusehen; der Bösewicht wird durch den Hund überführt usw. Die idiotische, bis ins letzte vorhersehbare Geschichte nervt, und hinzu kommt, daß dieser Film nicht nur amerikanisch sauber, sondern geradezu klinisch rein ist. Das amerikanische Freigabegremium konnte sprachlich gerademal ein »damn« und zweimal »oh my god« reklamieren.

Das schlimmste aber ist, daß noch in den 90er Jahren ein Kinderfilm gemacht wird, der ein so aufdringlich antiquiertes, konservatives Familienbild propagiert: Jedes Kind braucht nicht nur Tiere, sondern Vater und Mutter. So hören die bösen, bösen Mädchen, als auch Terry sich um sie kümmert, endlich auf, zu lügen und schwarzen Lippenstift zu tragen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
© 2012, Schnitt Online

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