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Zathura – Ein Abenteuer im Weltraum

Zathura. USA 2005. R: Jon Favreau. B: David Koepp, John Kamps. K: Guillermo Navarro. S: Dan Lebental. M: John Debney. P: Columbia, Scott Kroopf, Michael De Luca. D: Josh Hutcherson, Jonah Bobo, Kristen Stewart, Tim Robbins u.a.
101 Min. ab 2.2.06

Aus dem Dschungel ins All

Von Vera Schroeder Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Zum Beispiel, daß kleine Kinder Feuerwehrmänner werden wollen. Egal, in was für einer digital-vernetzen Welt sie aufwachsen – Kinder zwischen etwa drei und sechs wollen in einem großen roten Auto mit lautem Tatütata durch die Stadt heizen und ganz altmodisch Menschenleben retten. Kein Vierjähriger will Systemadministrator oder Computerhacker werden. Sondern Feuerwehrmann – oder Astronaut.

Zathura – Ein Abenteuer im Weltall ist ein Film für Vierjährige. Ein Film für die, denen die unglaublichen digitalen Welten in Computerspielen und Science-Fiction-Filmen, die inzwischen zu sehen sind, noch zu abstrakt und unnahbar sind. Für Kinder, die mit »World of Warcraft« noch absolut nichts anfangen können, weil sie einen klaren, sichtbaren Bezug zur eigenen kleinen Erfahrungswelt brauchen. Zum Beispiel ein Einfamilienhaus aus Holz, das plötzlich einfach so durchs All fliegt.

Walter, 11, und Danny, 6, streiten. Wie immer. Danny will spielen, Walter fernsehen, Daddy ist mal eben außer Haus, und so jagen sich die Jungs bald durch die Hütte. Der Kleinere landet im Keller, fürchtet sich und findet ein seltsames Spiel: Zathura, eine Blechkiste mit Aufziehschraube. Danny dreht an der Schraube, das Spiel beginnt und plötzlich rumpelt das Haus, samt pubertierender Schwester im Badezimmer und Goldhamster im Käfig durchs All. Eine Reise durch den Weltraum beginnt. Und schon bald begreifen die Jungs: Nur wenn sie zu Ende spielen, kommen sie irgendwann wieder unten an. So überstehen sie einen Meteoritenschauer, den Angriff eines defekten Spielzeugroboters und den Kampf mit den Weltraummonstern Zorgonen. Ein freundlicher Astronaut schaut vorbei, er erklärt den Jungs, daß sie Frieden schließen müssen, um dieses Abenteuer zu bestehen.

Was im erfolgreichen Vorgänger Jumanji, ebenfalls nach einem Kinderbuch von Chris van Allsburg gedreht, die Ungeheuer waren, ist in Zathura das All. Ansonsten unterscheiden sich die Filme kaum. Wieder wird eine Familie in ein Spiel gezogen, das von da an die Handlung bestimmt. Wieder gilt es verschiedene Abenteuer stringent und im Grunde unbeschadet zu durchlaufen. Doch während Jumanji 1995 schon wirkte, als sei er zehn Jahre älter, sieht Zathura aus wie E.T. (1982) oder Back to the Future (1985). Blecherne Roboter jagen durch das Haus und Schleimmonster im klassischen Dinosaurierlook. Ein Astronaut steigt aus einem Weltraumanzug, Modell Armstrong 1969, und nachdem ein riesiger Meteorit symbolisch den Flachbildschirm-Fernseher plattgemacht hat, befinden sich auch keinerlei Geräte des I-Pod-Zeitalters mehr im Haus.

32 Seiten und 14 große Bilder hat das Kinderbuch Zathura von Chris van Allsburg. Als Vorlage für den Film standen die Drehbuchautoren David Koepp und John Kamps damit vor einem für Literaturverfilmungen ungewöhnlichen Problem: Statt eine komplexe, vielschichtige Romanstory auf eine Zwei-Stunden-Leinwandversion zu reduzieren mußte ein einfaches, prägnantes Kinderbuch zu einem 88-Minuten-Film aufgepumpt werden. Doch zu nutzen wußten die Autoren diese kreative Freiheit nicht. Zathura ist auch deshalb nur für die Allerkleinsten ein richtiges Abenteuer, weil es keinerlei Nebenhandlung gibt, sowohl ausstattungstechnisch als auch dramaturgisch keine Überraschungen oder Brüche parat hat und am Ende mit einer moralischen Botschaft auffährt, die sogar ein Vierjähriger schon hundert Mal in seinem Leben gehört haben dürfte: Sei nett zu deinen Geschwistern, es sind die einzigen, die du hast.

Nicht zuletzt wegen dieses unversteckten Lehrsatzes hätte wohl zumindest Walter, der ältere der beiden Brüder, für den Film Zathura selbst nur ein überlegenes Lächeln übrig gehabt. Danny dagegen hätte er gefallen. Er will ja schließlich auch Astronaut werden. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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