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Young Adam

GB/F 2002. R,B: David Mackenzie. K: Giles Nuttgens. S: Colin Monie. M: David Byrne. P: HanWay Films, Recorded Picture, Scottish Screen. D: Ewan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan, Emily Mortimer, Jack McElhone, Therese Bradley, Ewan Stewart u.a.
93 Min. Alamode ab 9.12.04

My Name is Joe

Von Frank Brenner Young Adam ist der erste große Film des britischen Autorenfilmers David Mackenzie, der hier einen in Großbritannien Kultstatus genießenden Roman der Beat-Literatur von Alexander Trocchi verfilmte. Er reiht sich damit nahtlos in die Reihe britischer Regisseure ein, die unaufgeregt menschlich bewegende Schicksale inszenieren, dabei stets realitätsnah zu Werke gehen und mitunter gar naturalistisch arbeiten. Herausgekommen ist ein kunstvoller kleiner Film, der die Geduld seiner Zuschauer einfordert und dafür eine sehenswerte, authentische Geschichte aus dem Kleine-Leute-Milieu erzählt.

Joe arbeitet als Aushilfe auf dem Kutter von Ella, die sich mit ihrem älteren Mann Les und dem gemeinsamen kleinen Sohn Jim auf dem Wasser ihre Existenz aufgebaut hat. Joe schläft ebenfalls auf dem Lastkahn und begehrt seine Chefin, die Les bald hinter seinem Rücken mit dem jungen Aushilfsarbeiter betrügt. Die Leiche eines im Nachthemd ans Ufer geschwemmten jungen Mädchens, das die beiden Männer aus dem Wasser fischen, bringt das Leben der drei nachhaltig durcheinander, zumal sich mehr und mehr abzuzeichnen beginnt, daß Joe das Mädchen kannte.

Mackenzie ist es gelungen, die schmutzig-eintönige Atmosphäre Glasgows in den 50er Jahren nachzuzeichnen, sein Film atmet den schweren Kohlestaub und das naßkalte Schmuddelwetter der Hafenstadt. Ein Clou von Young Adam besteht darin, daß der Regisseur den chronologischen Erzählfluß durchbricht und Szenen kommentarlos aneinanderfügt, die zeitlich nicht immer aufeinander folgen, sondern teilweise auch Rückblenden darstellen. Dadurch führt er seine Zuschauer zunächst gekonnt an der Nase herum, um nach der entscheidenden Schlüsselszene schließlich wieder zur Chronologie zurückzufinden. Ab diesem Zeitpunkt fehlt dem Film das gewisse Etwas, das ihn von anderen Werken unterscheidet. Hier setzt ein wenig Langeweile ein, die Mackenzie zuvor trotz langsamer Inszenierung und ruhigem Erzählfluß vollkommen vermeiden konnte. Nichtsdestotrotz ist Young Adam ein atmosphärisch gelungenes Charakterporträt, das durch seine hervorragenden drei Hauptdarsteller geadelt wird. Die zahlreichen Sexszenen sind trotz ihrer Hervorhebung in der Romanvorlage und in der Geschichte als solches stets stilvoll gehalten und geraten nie zum Selbstzweck. 1970-01-01 01:00
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