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You Can Count on Me

USA 2000. R,B: Kenneth Lonergan. K: Stephen Kazmierski. S: Anne McCabe. M: Lesley Barber. P: Hart Sharp, Shooting Gallery u.a. D: Laura Linney, Mark Ruffalo, Rory Culkin, Matthew Broderick u.a.
116 Min. Movienet ab 19.4.01
Von Tamar Noort Du kannst auf mich zählen – ich bin für dich da. Das Motto dieses Films ist titelgebend, und verrät man dann noch, daß es sich um ein sehr unterschiedliches Geschwisterpaar handelt – sie Bankangestellte und konservative alleinerziehende Mutter in einer Kleinstadt, er Lebemann, always on the run, ewig pleite und mit selbstmordgefährdeter Freundin – so kann man leicht erahnen, wie es weitergeht.

Er besucht sie und kümmert sich um ihren achtjährigen Sohn, und am Ende haben beide etwas von der Lebenseinstellung des anderen mitgenommen und erkannt, daß sie sich trotz aller Unterschiede und daraus resultierender Konflikte liebhaben. Tatsächlich ist es keineswegs die Handlungsstruktur, die You Can Count on Me sehenswert macht. Der durchweg dramaturgisch schwache Film legt aber sein Augenmerk auf die Figurenkonstellationen und schafft es, ein Bild zwischenmenschlicher Beziehungen zu zeichnen, das nachfühlbar und in sich schlüssig ist. Das ist einerseits Kenneth Lonergan zu verdanken, der sich für die Inszenierung der Geschwister viel Zeit nimmt und es trotzdem versteht, der familiären Fehde eine Beiläufigkeit zu verleihen, die deutlich macht, daß Blut dicker ist als Wasser – ohne dabei in Willkür und Bedeutungslosigkeit abzugleiten. Es sind aber auch die Schauspieler, die den Figuren Leben einhauchen. Laura Linney überzeugt als Sammy, die sich den Alltag mit einer Affäre würzt, über die sie sich so liebenswert selbst wundert und freut, daß dem Zuschauer nur das Mitfreuen bleibt. Mark Ruffalo gibt den verantwortungslosen Terry mit Charme und Impulsivität und zeigt trotzdem, daß auch seine Figur in unterschiedliche soziale Rollen verstrickt ist: Der lässige Onkel, der dem kleinen Neffen das Leben beibringt, bleibt gegenüber Sammy stets der kleine Bruder.

So zeigt der Film, daß man sich aus seinen sozialen Rollen nicht lösen kann und daß es diese Rollenkonflikte sind, die zwischenmenschliche Kommunikation ausmachen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #22.
© 2012, Schnitt Online

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