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Wuji – Die Reiter der Winde

RC/HK/J/ROK 2005. R,B: Chen Kaige. B: Zhang Tan. K: Peter Pau. S: Zhou Ying. M: Klaus Badelt. P: Moonstone Entertainment. D: Hiroyuki Sanada, Jang Dong, Gun, Cecilia Cheung, Nicholas Tsa, Liu Yeh, Chen Hong u.a.
102 Min. 3Rosen ab 27.4.06

Un-Fug

Von Carsten Happe Wenn es jemals eine klare Trennlinie zwischen asiatischem Arthouse-Kino und den B-Movies des Martial Arts-Genres gab, so wurde sie spätestens mit Ang Lees Crouching Tiger, Hidden Dragon und Hero von Zhang Yimou überschritten. Plötzlich galt es selbst in Cineastenkreisen jenseits des Jackie Chan-Fanclubs als chic, sich über Kicks und Wireworks auszulassen. Über den Arthouse-Appeal gelangten Filme wie House of Flying Daggers letztlich in den Mainstream, so daß etwa der Hinweis, daß Wuji – Die Reiter der Winde Chinas aufwendigster und teuerster Film überhaupt sei, auch im Multiplex für Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Dort ist Chen Kaiges Film im Grunde auch am besten aufgehoben, wenn nicht in der Videothek – als Popcornkino von Hollywoods Antipoden, nicht weniger oberflächlich, lärmend und grell als ein Jerry Bruckheimer-Blockbuster.

Die simple Fabel von der schönen Prinzessin, dem mutigen Sklaven, einem mächtigen General und einem hinterhältigen Fürsten verknotet sich so schnell zu einem unentwirrbaren Schicksalsknäuel, daß sie jegliche Orientierung zunichte macht. Nun wartet ja auch ein jeder James Bond-Plot mit mehr Logik- als Einschußlöchern auf, und ohne wenigstens etwas Bodenhaftung bei einem Fantasymärchen wie Wuji unbedingt zu erwarten, verdirbt es allerdings gehörig den Spaß, wenn alles möglich erscheint, was die CGI-Rechner nur herzugeben vermögen. Das jedoch – und nun zum größten Schwachpunkt des Films – ist erheblich weniger, als es sich Kaige und seine Crew erdacht haben: Die permanent eingesetzten Computertricks sehen an unerträglich vielen Stellen einfach lächerlich und erbärmlich künstlich aus, manches wäre nicht einmal als B-Roll von Final Fantasy durchgegangen. Vielleicht ist Wuji auch nur als Demo eines Videogames aus den 90ern übrig geblieben, mit einem dröhnenden Soundtrack des Hans Zimmer-Spezis Klaus Badelt aufgeblasen und in den Wettbewerb der Berlinale geschmuggelt. Die Trennlinie zwischen geistreichem Arthouse-Kino und Wuji existiert jedenfalls seit zweieinhalb Jahrtausenden – es ist die Chinesische Mauer. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #42.
© 2012, Schnitt Online

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