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World Trade Center

USA 2006. R: Oliver Stone. B: Andrea Berloff. K: Seamus McGarvey. S: David Brenner, Julie Monroe. M: Craig Armstrong. P: Paramount Pictures, Double Feature Films. D: Nicolas Cage, Michael Pena, Maggie Gyllenhaal, Maria Bello u.a.
129 Min. UIP ab 28.9.06

Stone des Anstoßes

Von Susanne Bohlmann Worum es in World Trade Center geht, ist nicht schwer zu erraten. Der Titel wird wie viele andere Begriffe, nur noch mit einem Ereignis in Verbindung gebracht: den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Es ist eine von vielen persönlichen Geschichten, welche an diesem Tag in New York geschrieben wurde. Die Perspektive, aus der Oliver Stone diesen Tag erzählt, ist die zweier Polizisten, John McLoughlin und Will Jimeno, die einer Einsatztruppe angehörten, die als erster die brennenden Türme betraten. Noch bevor klar ist, was eigentlich passiert ist, bricht der Südturm zusammen und begräbt die Männer unter sich. Doch sie überleben schwer verletzt und bewegungsunfähig. Erst einen Tag später werden sie gerettet.

Kaum ein anderes Ereignis wurde so detailliert dokumentiert wie die beiden Flugzeuge, die in die Zwillingstürme rasten. Aus jeder erdenklichen Perspektive hat die Welt live zugesehen, wie Amerika eines seiner Wahrzeichen verlor. Wir haben die brennenden Türme gesehen, die Menschen, die aus den Fenstern sprangen, den Einsturz, den Staub, die Feuerwehr und die Verzweiflung. Immer und immer wieder. Deshalb konnte Oliver Stone leicht auf diese Bilder verzichten, was seinem Film ein unspektakuläres Aussehen verleiht. Stone konzentriert sich auf die beiden Verschütteten und deren Angehörige. Doch gerade aus diesem Grund ist World Trade Center ein gewöhnlicher Katastrophenfilm, der sich überall hätte abspielen können. Die unglaubliche Zerstörung der Terroranschläge und dessen Tragik, die an diesem Tag Amerika erschütterte, ist kaum zu erzählen durch die Hervorhebung einzelner Schicksale. Und so gleitet World Trade Center immer weiter ab in ein banales Verschüttungsdrama.

Abgesehen von einem recht spannenden und beklemmenden Anfang sind sehr bald Längen zu spüren, da die beiden Polizisten und deren Familien den Kontakt zum Zuschauer zusehends verlieren und die Spannung nicht lange aufrecht erhalten können. Der JFK-Verschwörungstheoretiker wollte eine amerikanische Heldengeschichte erzählen und hat hierbei jegliche Bissigkeit verloren. Patriotische Sprüche und Gesten schwächen das Mitgefühl für die Opfer ab und geben ihnen eine politische Stimme, die absolut fehl am Platz wirkt. Selbst, wenn die Geschichte authentisch wiedergegeben wurde, wirken viele Reaktionen zumindest für europäische Gemüter fremdartig. Die neue Patriotismuswelle, die Amerika nach den Anschlägen überschwemmte, ist in diesem Film ganz deutlich spürbar. Daß ausgerechnet Oliver Stone einen solchen Blockbuster produziert, der frei von jeglicher Kritik und Tiefe ist, läßt den Zuschauer enttäuscht und unberührt zurück. 1970-01-01 01:00
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