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Die Wonder Boys

Wonder Boys. USA 2000. R: Curtis Hanson. B: Steve Kloves. K: Dante Spinotti. S: Dede Allen. M: Bob Dylan, Christopher Young. D: Michael Douglas, Tobey Maguire, Robert Downey Jr. u.a.
112 Min. Concorde ab 2.11.00
Von Natascha Kramer Wo kann man am besten reden? Im Auto. Auf endlosen Fahrten in breiten bequemen amerikanischen Mittelklassewagen kreuz und quer durch öde amerikanische Kleinstädte, wahlweise Regen oder Schnee schlägt gegen die Scheibe und behindert die Sicht. Nicht die Sicht des Fahrers (dem kann das egal sein, der muß ja reden), sondern die Sicht des Zuschauers nach draußen. Denn irgendwann fühlt man sich ein wenig eingeengt; auf diesen endlosen Fahrten mit diesen endlosen Diskussionen, bei denen man nicht mitreden darf.

Und Literaturprofessor Tripp (Michael Douglas) redet gern und viel. Noch lieber aber schreibt er – auch viel. In seinem neuen Roman ist er bereits auf Seite 2112 und noch immer nicht fertig. »Du sagst uns immer, wir müssen Entscheidungen treffen«, sagt ihm eine Studentin aus seinem Seminar für Kreatives Schreiben, »aber du kannst in deinem Buch keine Entscheidung treffen.« Das ist ein heutzutage weitverbreitetes Problem. Unter anderem eines, das der Regisseur Hanson wohl auch hat. Für seinen Film mag er sich nicht so recht entscheiden. Stilistisch entführt er uns in eine Komödie im Flair der 50er Jahre, Bilder – sowie die Bademäntel der Charaktere – sind liebevoll zusammengesucht aus der Mottenkiste. Die Musik stammt von Bob Dylan und ist eher in die Kategorie 60er Jahre einzuordnen. Die Hauptperson kifft mehr als ein Hippie der 70er; jetzt überspringen wir ein Jahrzehnt – und voila: noch ein bißchen Identitätskrisenmanagement der 90er.

Diese bunte und durchaus auch fröhliche Mixtur ist nett und lustig – aber eben nicht in der Lage, den Zuschauer zu fesseln und zu bannen; zu sehr ist er damit beschäftigt, den unentschiedenen unterschiedlichen Stadien des Regisseurs zu folgen. Wirklich amüsant sind allerdings manche Dialoge, die universell anwendbare Lebensweisheiten für den Alltagsgebrauch bergen. Die behält man sicherlich. 1970-01-01 01:00

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