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Woman on top

USA 2000. R: Fina Torres. B: Vera Blasi. K: Thierry Arbogast. S: Leslie Jones. M: Luis Bacalov. P: Fox Searchlight. D: Penélope Cruz, Murilo Benício, Harold Perrineau jr., Mark Feuerstein u.a.
90 Min. Fox ab 2.11.00

Da liegt sie richtig: Penelope Cruz

Von Oliver Baumgarten Die Spanierin Fina Torres überraschte auf dem Münchner Filmfest mit ihrem Debütfilm einen Großteil des Publikums. Die Unwissenden nämlich. Die, die ihre Hauptdarstellerin noch nicht aus Jamón, Jamón oder Alles über meine Mutter kannten. Gleichsam aber auch diejenigen, die Romantic Comedies aus den USA grundsätzlich für »völlig unrealistisch« halten und die das, während sie es aussprechen, auch noch ganz ernst meinen. Woman on Top hingegen ist derart überdreht und betont magisch, daß denen das Argument glatt im Halse steckenblieb.

Käseweiß schwitzend und im höchsten Maße elend blickend torkelt ein eben noch bezauberndes Geschöpf aus einem Fahrstuhl heraus auf die Kamera zu und kotzt lautstark auf den Gehweg. Eine Fahrstuhl-Phobie. Wie süß.

Ihre Selbstironie könnte sie zu dem machen, was Fox sich mit Woman on Top für sie vorgestellt hatte: zu einer unter den ganz Großen. Ihr erster US-Film ist perfekt auf sie zugeschnitten und entspricht ihrer schrägen spanischen Filmvergangenheit (Almodóvar, Trueba) mit etlichen Exzentriken in der Figur, die nicht nur ihrem komischen Talent entgegenkommen, sondern sie auch nahbarer erscheinen lassen als die Figur einer Jennifer Lopez etwa. Wie aus einer anderen Welt wird sie inszeniert, ein bezauberndes Naivchen, das noch an Meerjungfrauen und Naturzauber glaubt und das aus seinem Inselparadies verzweifelt in eine amerikanische Großstadt flieht. Sie hat ihrem Verlobten die Liebe abgeschworen, nachdem der sie betrogen hatte. In der großen Stadt wird sie zum Fernsehstar, doch ihr Verlobter gibt nicht auf, und im Grunde genommen ist der auch der einzige, an den wir sie zu verlieren verkraften könnten.

Mit Thierry Arbogast hat sie einen Kameramann mit Weltformat, der es meisterlich versteht, sie auch visuell in der Ironie zu unterstützen, und mit Fina Torres eine Regisseurin, die die vom Drehbuch vorgegebene Märchenaura clever dosiert. Herausgekommen ist eine zuweilen freche Romantic Comedy, leicht, lustig und leger, aber eigentlich doch vor allem eines: eine Show der hinreißenden Penelope Cruz. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
© 2012, Schnitt Online

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