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Wolfsburg

D 2002. R,B: Christian Petzold. K: Hans Fromm. S: Bettina Böhler. M: Stephan Will. P: TeamWorx. D: Benno Fürmann, Nina Hoss, Antje Westermann, Astrid Meyerfeldt, Matthias Matschke, Soraya Gomaa, Stephan Kampwirth u.a.
93 Min. Peripher ab 25.9.03

Die innere Spannung

Von Frank Brenner Wenn man in Deutschland den Namen Wolfsburg hört, werden die meisten wohl instinktiv an das VW-Werk denken. Dieses steht zunächst einmal für die Automobilindustrie in deutschen Landen, also für des Deutschen liebstes Kind und dessen Produktion und somit nicht nur symbolisch für die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen. Daß der VW-Manager Hartz der deutschen Regierung ein Konzept zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erarbeiten durfte, unterstreicht diese These noch zusätzlich. Außerdem, und auch das läßt sich nicht so ohne weiteres wegdiskutieren, ist die Geschichte des Volkswagens eng verknüpft mit Hitler und dem Nationalsozialismus, und die Spuren der Nazis prägen das Erscheinungsbild Wolfsburgs bis heute.

Christian Petzold hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Befindlichkeit der Bundesrepublik Deutschland der Gegenwart in seinen Filmen zu thematisieren. Wolfsburg bietet sich hierfür geradezu an. Vor drei Jahren hat Petzold bereits den herausragenden Film Die innere Sicherheit über ehemalige RAF-Terroristen gedreht. Mit Wolfsburg gelingt es ihm erneut eindrucksvoll, anhand einiger weniger Personen einen ruhigen, überzeugenden Film über persönliche Schicksale zu inszenieren, die ihrerseits Allgemeingültigkeit besitzen und viel über das momentane Deutschland aussagen. Wie schon in Die innere Sicherheit kann Petzold auch hier auf ein exzellentes Darstellerensemble zurückgreifen, das die Verzweiflung, Zerrissen- und Unsicherheit seiner Figuren vor allem in den dialogfreien Szenen auf beeindruckende Weise zur Geltung bringt. Benno Fürmann in der Rolle des Phillip wird von seinem schlechten Gewissen und seiner Unzufriedenheit umgetrieben, Nina Hoss als Laura wird vom Schmerz um den Tod ihres Sohnes zerrissen. Und diese meisterhaft inszenierte innere Spannung ist es, die den Film zusammenhält. 1970-01-01 01:00
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