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Der Wixxer

D 2004. R: Tobi Baumann. B: Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Oliver Welke. K: Gerhard Schirlo. S: Marco Pav D'Auria. M: Andreas Grimm. P: Rat Pack, German Film Productions, Seven Pictures, B.A. Films. D: Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Thomas Fritsch, Anke Engelke, Olli Dittrich u.a.
90 Min. Falcom Media Group ab 20.5.04

Hier spricht Oliver Kalkofe…!

Von Frank Brenner Die Deutschen haben keinen Sinn für Humor, oder doch? In den letzten Jahren hat sich in Sachen Humor hierzulande einiges getan. Standup-Comedy hat Einzug gehalten ins deutsche Fernsehen, wo in Formaten der Privatsender auch versucht wurde, eine neue Art, eine neue Qualität der Komik zu etablieren. Nun haben sich zwei der Vorreiter der neuen Form des deutschen Lachens zu einem Großprojekt zusammengefunden – Oliver Kalkofe, das Lästermaul und der Entblößer deutscher Fernsehunsitten und Tobi Baumann, der Regisseur der erfolgreichen und ausgezeichneten Fernsehserie Ladykracher mit Anke Engelke.

Für eine Kinoparodie im großen Stil haben sich die beiden, unterstützt von den Comedians Bastian Pastewka und Oliver Welke, eines der populärsten deutschen Popkulturgüter angenommen, dem Edgar-Wallace-Film. Nachdem Michael »Bully« Herbig bereits deren Wildwestäquivalente, die Karl-May-Filme, mit Der Schuh des Manitu gnadenlos durch den Kakao gezogen hat und sich demnächst mit einer Star-Trek-Parodie von der medialen deutschen Vergangenheit wegbewegt hin zu einer internationalen, liegt eine Veräppelung der deutschen Trashschocker, die sich im Laufe der Zeit einer stets wachsenden Popularität erfreuten, nahe. So ein Unterfangen hätte leicht kläglich scheitern können, da sowohl Kalkofe als auch Baumann eigentlich in der wesentlich kürzeren Sketchform zuhause sind und ein abendfüllender Film allzu leicht ebenfalls zu einer Sketchsammlung geraten kann, bei der dann auf halber Strecke der Zusammenhang abhanden kommt – Bully weiß ein Lied davon zu singen. Doch wenn man das Ergebnis betrachtet, kann man erleichtert aufatmen.

Dem Regisseur und seinen drei Drehbuchautoren gelingt es durchaus, einen roten Faden zu spinnen, an dem die Gags nicht aufgesetzt wirken, sondern einem durchgehenden Konzept untergeordnet sind. Aus diesem Grund legen die Macher auch einen großen Wert auf den Look und die Atmosphäre des Films, die ihren Vorlagen, wie es sich für eine richtige Persiflage, die auch immer Hommage sein muß, gehört, auf liebevolle Weise nachempfunden wurden. So wechselt der Film in den Szenen auf Blackwhite Castle auch immer sinnigerweise von Farbe in Schwarzweiß, was nicht nur in der Handlung begründet wird, sondern auch wiederholt Gelegenheit für selbstreferentielle Elemente bietet. Die Darstellerwahl, auch in den Nebenrollen, zeugt ihrerseits von Einfallsreichtum und Geschick: Eva Ebner, langjährige Regieassistentin und Gelegenheitsschauspielerin in den Wallace-Verfilmungen Alfred Vohrers, darf eine verschrobene Alte mimen, Wolfgang Völz (u.a. aus Der grüne Bogenschütze) schlüpft in die dankbare Rolle des Scotland-Yard-Chefs Sir John und Grit Boettcher, Blondchen aus Der schwarze Abt, darf sich in einem herrlichen Cameo-Auftritt gekonnt selbst auf die Schippe nehmen. Und nicht zuletzt hat man mit dem kauzigen Lars Rudolph den idealen Nachfolger für die verschrobenen Rollen von Klaus Kinski gefunden. Rudolph gelingt es spielend, das Zerrissene und Bedrohliche seines Vorbildes zu kopieren und es gleichzeitig doch der Lächerlichkeit preiszugeben.

Im Gegensatz zu Bully Herbigs filmischen Werken fällt auf, daß man durchaus respektlos und frech sein kann, ohne gleich in sexistische oder rassistische Richtungen abzudriften. Das macht vor allem auch die Figur des Alfons Hatler deutlich, bei dem man angenehmerweise mal darauf verzichtet hat, als Deutsche einen allzu großen Respekt vor der stets tabuisierten deutschen Vergangenheit zu haben. Bleibt Kalkofe und Co. nur noch zu wünschen, daß das Publikum diese Bemühungen auch zu würdigen weiß, denn Der Wixxer hat allemal so viele Zuschauer verdient wie Herbigs Der Schuh des Manitu. 1970-01-01 01:00
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