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With or without you

GB 1999. R: Michael Winterbottom. B: John Forte. K: Benoit Delhomme. S: Trevor Waite. M: Adrian Johnson. P: Andrew Eaton. D: Christopher Eccleston, Dervla Kirwan, Yvan Attal, Julie Graham u.a.
95 Min. Kinowelt ab 6.1.00
Von Natalie Lettenewitsch Das zweite Werk, welches der britische Regiestar Michael Winterbottom nun innerhalb kürzester Zeit auf den Filmmarkt wirft, wirkt ärgerlicherweise wie eine Entschuldigung für das erste. Von seinem wundervollen Vorgänger Wonderland unterscheidet sich With or Without You im wesentlichen durch komplette Unoriginalität und Belanglosigkeit.

Möglicherweise will sich Winterbottom nach vermeintlich pubertärem Kameragewackel und verschachtelter Dramaturgie als braver Schwiegersohn rehabilitieren, indem er nun die Abteilung gepflegter, handwerklich solider Langeweile nachbeliefert. Wenn es nur das wäre: Obendrein ist das Publikum gezwungen, dem schleimigen Ekelpaket Christopher Eccleston mehrfach beim angestrengten Vögeln zuzusehen, und das auch noch zum Zwecke der Begattung – bei Empfangsdame Rosie und Ex-Polizist Vincent (für die Frau den gefährlichen Beruf gewechselt, wie romantisch) drückt nämlich der unerfüllte Kinderwunsch auf die bis dato glückliche Ehe. Eine Geschichte wie aus der Daily Soap; nur unwesentlich subtiler erzählt. Natürlich taucht genau zu jenem richtigen falschen Zeitpunkt ein Nebenbuhler auf, Jugendschwarm von Rosie und daher theoretisch besonders gefährlich; praktisch ist seine Attraktion schwer nachzuvollziehen (schon gar nicht, sobald er schmerzlich schief den titelgebenden U2-Song kräht), die Rolle ist auch kaum charismatischer als Ecclestone besetzt.

Weit entfernt vom Charme britischer Kollegen wie z.B. Stephen Frears, will der Film jedenfalls ganz allgemein von der schweren Wahl des Mittdreißigers zwischen Jugendträumen und aktuellen Realitäten erzählen, mit hervorgekramten Liebesbriefen aus der Schulzeit, Schwiegerelternbesuch und weiterer Alltagssoße wie Demütigungen durch und Rache an tyrannischen Vorgesetzten. Zum Happy Spießer-Ende kehren die Ehegatten nach beidseitigen Eskapaden in die Lebens- und Fortpflanzungsgemeinschaft zurück, ganz wie in Eyes Wide Shut, der seine (darum nicht weniger ärgerliche) Biederkeit allerdings durch aufgeblasenes, pseudo-erotisches Kunstgewerbe zu übertösen trachtete – derlei versucht die Kleinbürgerschmonzette With or Without You gar nicht erst, und bleibt auch auf der visuellen Ebene durch und durch konservativ. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #17.
© 2012, Schnitt Online

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