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Wir waren Helden

We Were Soldiers. USA 2002. R,B: Randall Wallace. K: Dean Semler. S: William Hoy. M: Nick Glennie-Smith. P: Icon. D: Mel Gibson, Madeleine Stowe, Greg Kinnear, Sam Elliott, Chris Klein, Barry Pepper, Keri Russell u.a.
140 Min. Concorde ab 4.7.02
Von Carsten Happe Es wäre ein Leichtes, diesem Film mit Zynismus zu begegnen, einer mitteleuropäisch geprägten Abwehrhaltung gegen alles offensichtlich Patriotische, noch dazu Pathetische und politisch Korrekte anheimzufallen. Wir waren Helden lädt geradewegs dazu ein, bereits mit seinem (deutschen Verleih-)Titel, mehr noch mit seinen finalen Minuten, in denen Mel Gibson, der ersten Schlacht und dem gesamten Vietnamkrieg mit heiler Haut entkommen, dem Kriegerdenkmal in Washington seine Aufwartung macht und zudem noch die Grabinschriften aller Gefallenen des im Film aufbereiteten Gefechts den Abspann eröffnen.

Zweifelsohne, We were Soldiers, bleiben wir besser bei dem pragmatischeren Originaltitel, bedient sich aller verfügbaren Mittel eines uramerikanischen Kriegsfilmtypus, erhebt sich selbst in den Status eines Mahnmals. Dem aber, wie gesagt, mit Zynismus zu begegnen, würde der inszenatorischen Leistung von Randall Wallace und dessen Intention kaum gerecht werden. In bestechend einfachen, jedoch nie dumpfen Tableaus entwirft der Autor von Braveheart und Pearl Harbor, von dessen endgültiger Fassung er sich allerdings entschieden distanziert, ein ebenso respektables wie respektvolles Zeitbild aus den Anfangstagen des Vietnamkonflikts. Weder politisierend noch allzu sehr moralisierend, erlaubt der Film einen eingehenden Blick in die amerikanische Volksseele, mitunter weitaus erhellender, als dies manche Dokumentation leisten könnte. Insbesondere der klimaktische Szenenaufbau nach einem Drittel des Films, der die Abreise in eine ungewisse Zukunft einleitet, gefällt durch die klare Bildsprache Dean Semlers, der hier seine beste Kameraarbeit seit Jahren vorlegt, sowie einer ausgefeilten Montage, die den Vergleich mit The Deer Hunter durchaus standhält. Die nachfolgenden Kampfhandlungen werden mit der seit Saving Private Ryan kanonisierten Drastik ausgebreitet, leider allzu detailverliebt und ausführlich, doch allemal um eine akkurate Wiedergabe des Gegners bemüht.

Die Figurenzeichnung allerdings fällt doch arg schablonenhaft aus – gegen die Verwendung von Archetypen ist zwar aus didaktischer Perspektive kaum etwas zu entgegnen, doch mindert sie erheblich die Anteilnahme an den Protagonisten. Damit widerfährt We were Soldiers ungeachtet aller technischer und phasenweise auch dramaturgischer Brillanz letztlich das worst case scenario eines Kriegsfilms: die Opfer lassen einen kalt, der Schrecken ob der unmenschlichen Grausamkeiten – er kratzt lediglich an der Oberfläche.

In dieser Hinsicht ist es nur konsequent, daß den Helden des Films bei näherer Betrachtung nichts Heroisches anhaftet – umso fehlgeleiteter erscheint der deutsche Titel – allein gradliniges, ehrliches Engagement für die falsche Sache. Somit ist We were Soldiers letztlich das Blue-Collar-Drama unter den Kriegsfilmen, hier wird Film gearbeitet. Daß dabei kaum mehr als ein Arbeitssieg herausspringt, vermag kaum noch zu verwundern. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

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