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Winslow Boy

USA 1999. R,B: David Mamet. K: Benoit Delhomme. S: Barbara Tulliver. M: Alaric Jans. P: Sony Pictures. D: Nigel Hawthorne, Gemma Jones, Jeremy Northam, Rebecca Pidgeon u.a.
110 Min. Columbia ab 19.10.00
Von Oliver Baumgarten Unter Verlust von allem Bedeutenden gelingt den Untouchables noch in großer Western-Geste, was etwas später die Makler in Glengary Glen Ross unter Aufgabe sämtlicher Selbstachtung anstreben, am Ende trotzdem nicht bekommen, und was schließlich Dustin Hoffman in American Buffalo nur noch zur großen Lebenslüge gereicht.Ein Aspekt von David Mamets Skriptarbeit spürt den Überresten des männlichen amerikanischen Traums nach, der Möglichkeit der Durchschnittsmänner, ein kleiner Teil des Systems zu werden.

Auch der Mann in Mamets Neuverfilmung des Theaterstücks »The Winslow Boy« von Terrence Rattigan geht einen harten Leidensweg. Hier kämpft der Vater über Jahre hinweg für die Rehabilitation des zu unrecht als Dieb bezichtigten Sohns und damit auch für seine Ehre. Nach langem Prozessieren führt seine Sturheit zum Erfolg, aber auch zur Isolation der Familie, und die eigentliche Gewinnerin ist mit seiner Tochter eine Frau.

Mithilfe der effektiven Darsteller und den gewohnt geschliffenen Dialogen gelingt Mamet eine intensive Studie, die weniger Plädoyer für Gerechtigkeit sein mag, als ein äußerst entlarvendes Spiel um gesellschaftliches Schein und Sein. Kameramann Benoit Delhomme, der 1995 in Cyclo wahrhaft Opulentes schuf, entwickelte mit Mamet eine extrem dezente, aber umso wirkungsvollere Auflösung des Raums, die mehr als einmal durch ungehörige Indiskretion das Schaben an Konventionen unterstützt. Schreit der Mainstream immer lauter und immer schneller seinen hektischen Standpunkt von der Leinwand herunter, tut es ungemein gut, mit The Winslow Boy einfach wohlformulierter Filmkunst zu folgen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
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