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Wing Commander

Wing Commander. USA 1998. R: Chris Roberts. B: Kevin Droney. K: Thierry Arbogast. S: Peter Davies. M: David Arnold, Kevin Kiner. P: 20th Century Fox. D: Freddie Prinze jr., Saffron Burrows, Matthew Lillard, Jürgen Prochnow, Tchéky Karyo, David Warner u.a.
100 Min. Jugendfilm ab 23.12.99

Nautisches Galaxie-Potpourri

Von Frank Brenner Wing Commander ist eigentlich kein Film mehr, sondern nurnoch ein Sammelsurium. Das Science-Fiction-Genre war schon immer eines der am wenigsten eigenständigen, das sich vielmehr aus Versatzstücken anderer Filmgattungen erst ergab. Es läßt sich auf im Weltraum angesiedelte Märchenstoffe reduzieren, die lediglich den Konventionen des Western, des Liebesdramas und des Kriegsfilms folgen. Aber Chris Roberts’ Film treibt diese Unselbständigkeit in unangenehmer Weise auf eine neue Spitze.

Es herrscht Krieg im Weltall, die Föderation kämpft gegen die bösen Kilrathi, denen es besser zu Gesicht gestanden hätte, wenn sie den gesamten Film über der unsichtbare Feind geblieben wären. Doch gegen Ende bricht Roberts mit dieser dramaturgisch geschickten Strategie und gibt den Kilrathi eine Identität, indem er sie an Bord ihrer Zerstörer ins Bild setzt. Das, was der Zuschauer dann zu sehen bekommt, ist eine lachhafte Mischung aus Zylonen, Ewoks und dem liebenswerten Yoda, die wohl kaum für ein ordentliches Feindbild taugt.

Aber diese Latexwesen gibt's ja gottseidank erst am Schluß. Zuvor kann man sich an den strategischen Kriegsscharmützeln ergötzen, deren Pseudofachjargon ein Konglomerat aus der altbekannten Star-Trek-Sprache und der nautischen Terminologie darstellt. So fühlt man sich wiederholt an ein Seekriegsepos erinnert, dessen Hauptdarsteller Jürgen Prochnow auch hier eine strenge Kommandatur führen darf. Das Boot im Weltall – mit den unendlichen Weiten der Galaxien als Double für den Ärmelkanal.

Klaustrophobisch geht's auch zu in den engen Gängen der Sternenflotte oder in den winzigen Cockpits der Abfangjäger. Auf dem Höhepunkt darf Commander Prochnow dann auch wieder den Befehl »Rohr frei!« geben. Nur, daß er der Crew Stillschweigen befiehlt, als sie in den feindlichen Radarbereich geraten, kann ich ihm nicht mehr glauben. Schließlich hat mir der Alien-Slogan vor Jahren schon beigebracht, daß dich im Weltall niemand schreien hört…

Die Leere des Alls ist eben doch nicht die dunkle Tiefe des Ozeans. Deswegen tritt auch nicht Wasser ein, wenn die Flotte getroffen wird, sondern Luft aus. Das sind aber alles nur Details, die der eigentlichen Heldenstory kaum im Weg stehen. Freddie Prinze jr. ist nämlich der strahlende Held, der sich seiner bedeutenden Abstammung erst bewußt werden muß. Und zwar im Augenblick der größten Gefahr, in der er über sich hinauswachsen und seine »von Gott berührten« Gene erkennen und akzeptieren muß. Derartige pseudoreligiöse Motive manifestieren sich in den verhaßten Pilgerfiguren (Prinze ist als Sohn eines Konföderierten und einer Pilgerin ein diskriminiertes Halbblut), die ihre Wurzeln bei den Gründungsvätern Amerikas wie bei den Kreuzrittern gleichermaßen haben. Um den uneinheitlichen Brei vollkommen zu versalzen, tauchen des weiteren Elemente der Artussage und der Odyssee auf.

Für einen Action- und Heldenfilm, der auf den Figuren eines Computerspiels basiert, ist das ziemlich starker Stoff, der an der Zielgruppe (Jungens im Alter von 8 bis maximal 13 Jahren) vorbeigeht. Die Heranwachsenden haben aber wahrscheinlich sowieso mehr Spaß daran, selbst den Joystick in die Hand zu nehmen und draufloszuballern. Roberts kann zwar mit passablen Spezialeffekten aufwarten, ist aber tragischerweise auch sorgsam darauf bedacht, nicht zu viel (virtuelle) Munition zu vergeuden. Und das macht seinen Film dann zu allem Überfluß auch noch stinklangweilig. 1970-01-01 01:00
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