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Windtalkers

USA 2001. R: John Woo. B: John Rice, Joe Batteer. K: Jeffrey L. Kimball. S: Steven Kemper. P: MGM. D: Nicolas Cage, Adam Beach, Christian Slater, Peter Stormare, Noah Emmerich u.a.
134 Min. Fox ab 1.8.02
Von Dietrich Brüggemann Als Luc Besson bei Joan Of Arc erstmals auf sein Markenzeichen verzichtete – den Vorspann mit Geradeausfahrt und Hochschwenk, der alle seine Filme eröffnet – war das ein schlechtes Omen. Jetzt kommt der neue John Woo-Film in die Kinos, und nein, es gibt dort weder Speedboat-Verfolgungsjagden noch jene weißen Tauben, die in Zeitlupe durch den Kugelhagel in bisher jedem John-Woo-Film flatterten. Geblieben ist nur der Kugelhagel. Und das ist in der Tat ein schlechtes Omen.

Daß es ein Kriegsfilm ist, einer aus der Heldenverehrungs-Fraktion, macht die Sache nicht einfacher. All die Wahrheiten, die regelmäßig für die Verdammung solcher Filme herangezogen werden, sind längst und oftmals gesagt. Die Obszönität, mit der ein reales Gemetzel zur Erbauung oder, schlimmer noch, Belehrung eines Publikums fiktionalisiert wird, die Unmöglichkeit, zwischen Gewaltdarstellung und -verherrlichung zu unterscheiden – alles bekannt. Wer den Kopf zu weit herausstreckt, wird erschossen, wer aus Mitleid mit dem brennenden Feind einen Moment innehält, gerät zur Strafe in Lebensgefahr. Das ist entsetzlich, das weiß auch der Film, doch der Rest ist trotzdem Kanonendonner und Marschmusik.

Thema sind diesmal die Navajo-Indianer, die im zweiten Weltkrieg dem US-Militär mit ihrer Landessprache einen nicht zu knackenden Code lieferten, die als Funker eingesetzt und stets von einem Marine bewacht wurden, der sie notfalls eher erschießen als dem Feind überlassen sollte. Die Beziehung zwischen Funker und Wächter, in der widerwillige Freundschaft entsteht, berührt ein dankbares filmisches Grundmotiv, doch bewegt sie sich auf vermintem Gelände. Kein Bild ist unschuldig, jede Szene stammt aus dem Fundus des bereits Bekannten.

Natürlich ist John Woo immer noch John Woo und beherrscht die Poesie der Raserei wie kein zweiter. Er schafft aufwühlende Momente, er inszeniert perfekt. Windtalkers ist sicher besser als die meisten Kriegsfilme der letzten Jahre, doch allzu oft verliert er sich im Gemetzel und ist nur noch abstoßend. Und sein Patrioten-Pathos macht ihn endgültig unmöglich, so respektabel er in Teilen sein mag. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

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