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Das wilde Leben

D 2007. R: Achim Bornhak. B: Achim Bornhak, Olaf Krämer. K: Benjamin Dernbecher. S: Peter Przygodda, Sebastian Schultz. P: Bioskop-Film, Senator, Kinowelt u.a. D: Natalia Avelon, Matthias Schweighöfer, David Scheller, Victor Noren u.a.
114 Min. Warner ab 1.2.07

Das Leben der Uschi O.

Von Patrick Hilpisch »Sex-Ikone«, »Supergroupie«, »Galionsfigur der sexuellen Revolution« – so wurde und wird das ehemalige Model Uschi Obermaier (heute 60 Jahre alt) in der Presse genannt. Sie praktizierte in der Kommune 1 Ende der 1960er Jahre die freie Liebe, hatte Affären mit Mick Jagger, Keith Richards und Jimi Hendrix, zog mit Kiezgröße Dieter Bockhorn in einem umgebauten Bus um die Welt. »Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum« war ihr Motto. Und laut der Tagline von Das wilde Leben war dies der Traum einer ganzen Generation. Eigentlich sollte man meinen, das sei der ideale Stoff für einen abendfüllenden Spielfilm.

Kein Biopic, sondern eine mitreißende Lovestory und eine Geschichte über eine starke Frau sollte Das wilde Leben laut Produzent Eberhard Junkersdorf werden. Und dementsprechend nahm man sich hier und da ein paar inszenatorische Freiheiten, dampfte weniger interessante Phasen aus dem Leben der Obermaier zusammen und glättete (nebensächliche?) Reibungsflächen wie etwa tiefergehende Auseinandersetzungen innerhalb der Kommune 1 oder im Dunstkreis Dieter Bockhorns auf FSK-12-Niveau – trotzdem gibt es dem Spirit der 68er entsprechend viel nackte Haut zu sehen.

Im Zentrum des Films steht jedoch ganz klar Uschi Obermaier, die stets ihre Frau steht, ihren Weg geht, egal mit welchem Mann an ihrer Seite. Das Politische dieser Ära wird bloß angeschnitten, und das ist auch insofern legitim, da Uschi Obermaier niemals Teil des Agitationsapparates der Kommune war, sondern ein unpolitisches Anhängsel. Ein hübsches Gesicht, das durch Modeljobs ein »paar Mark« in die WG-Kasse brachte. Natürlich kriegen die Kommunarden ihr Fett weg und das manchmal hart an der Grenze zur Karikatur.

Als fleischgewordene Promiskuität verdreht die Obermaier den Männern reihenweise den Kopf. Kaum ein Mann, der der sexuellen Ausstrahlung des Models widerstehen kann. Natalia Avelon fängt den naiv-kokettierenden Charme der Obermaier perfekt ein. Nicht nur die äußere Ähnlichkeit ist verblüffend, auch die Klangfarbe der Stimme, die Intonation und die Körpersprache stimmen. Matthias Schweighöfer entpuppt sich ebenfalls als Idealbesetzung für den ewig räsonierenden und psychologisierenden Oberkommunarden Rainer Langhans.

Trotz der durchaus ansprechenden Leistungen der Hauptdarsteller kann der Film nicht vollends überzeugen. Regisseur Achim Bornhak verläßt sich zu sehr auf das Flair der Wilden 60er, auf schöne Bilder und die Aura der echten Obermaier. Und deren Lebensentwurf eines »Do whatever you like« mag zwar zunächst interessant und wild klingen, einen ganzen Film kann er allerdings nicht tragen. Jedenfalls nicht in dieser Form. Vielmehr erzeugt Bornhaks primär oberflächliche Herangehensweise im Laufe des Films eine gepflegte Indifferenz beim Zuschauer. Da reißt es der Trip um die Welt mit »dem Bockhorn« samt tragischem Finale auch nicht mehr heraus. Dem Film geht es dann ähnlich wie der Kommune 1 kurz vor ihrer Auflösung. »Nur noch die Obermaier, überhaupt kein Inhalt mehr.« 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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