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Wilbur Wants to Kill Himself

Wilbur begår selvmord. DK/GB/D 2002. R,B: Lone Scherfig. B: Anders Thomas Jensen. K: Jørgen Johansson. S: Gerd Tjur. M: Joachim Holbek. P: Pain Unlimited u.a. D: Jamie Sives, Adrian Rawlins, Shirley Henderson, Lisa McKinlay u.a.
106 Min. Ottfilm ab 18.09.03

Mitfühlen und Wohlfühlen

Von Tamara Danicic Kauzige Gesellen, die beiden Geschwister Wilbur und Harbour. Während Wilburs verzweifelte Versuche, aus dem irdischen Jammertal zu scheiden, fast schon zum running gag werden, hat sein Bruder, ein Gutmensch bis ins Knochenmark, sich ebenso unerschütterlich in den Kopf gesetzt, ihn von der Lebens- und Liebenswürdigkeit der Welt zu überzeugen. Als Katalysator bietet sich die sanfte Alice mit ihren Bambi-Augen geradezu an, will sie doch auch nur das Beste für alle.

Leben, Liebe und Tod: Solch »große« Themen werden bei Lone Scherfig ihrer Erdenschwere enthoben und zu Experimentierfeldern menschlichen Verhaltens. Dabei bricht die dänische Regisseurin – wie schon in Italienisch für Anfänger – ihre Geschichte auch diesmal durch das Prisma des Humors. Der ist sicherlich schwärzer als in der vorherigen Filmromanze, aber richtig wehtun darf es auch diesmal nicht. Alle Figuren sind irgendwie sympathisch – etwas schrullig (vor allem solange sie einsam sind) und gesellschaftliche Randgestalten, menschlich jedoch eindeutig Gewinnertypen.

Auf der formalen Ebene wird die inhaltliche Glätte konsequent weitergeführt. Einst zählte auch Scherfig zu den Dogma-Recken, die den »Schwur der Reinheit« leisteten, welcher immer auch ein lautstarkes Bekenntnis zum Ungeschliffenen, Rohen war. Davon ist hier nicht mehr viel übrig geblieben. In warmes Licht und ein heiter-melancholisches Klangbad getaucht, von einer ruhigen Kamera sorgfältig kadriert, bleibt den Figuren praktisch kein Rückzugsraum in die (oftmals schlecht ausgeleuchtete und dissonante) Realität. Da wird selbst eine sozial brüchige Stadt wie Glasgow zur mehr oder weniger pittoresken Kulisse.

Tiefgründiger Problembewältigung wird in Wilbur Wants to Kill Himself goutierbare und durchaus feinsinnige Tragikomik entgegengesetzt. Entstanden ist ein Wohlfühl- und Mitfühlfilm, der den Zuschauer mit einem positiven Gefühl in der Magengrube aus dem Kino entlassen will. Ein leicht schaler Nachgeschmack bleibt allerdings, da mögliche Falten und Kanten einfach weggebügelt werden. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #31.
© 2012, Schnitt Online

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