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Wie die Karnickel

D 2002. R: Sven Unterwaldt. B: Ralf König. K: Klaus Liebertz. S: Christel Suckow, Stefan Essl. M: Marius Ruhland. P: Achterbahn, Constantin, Boje Buck. D: Michael Lott, Sven Walser, Anna Böttcher, Heinrich Schmieder, Heinrich Schafmeister, Alfonso Losa, Kelly Trump u.a.
90 Min. Constantin ab 12.9.02.
Von Frank Brenner Spätestens seit der Realverfilmung seines Comicklassikers »Der bewegte Mann« ist Ralf König auch außerhalb der Schwulenkreise in ganz Deutschland bekannt geworden. Der überragende Erfolg von Sönke Wortmanns Film zog das weit weniger erfolgreiche Kondom des Grauens nach sich und führte nun zu der dritten Comicadaption Wie die Karnickel, die auf eine der neuesten Erscheinungen Königs zurückgeht.

Warum sich bislang noch keine Produktionsgesellschaft dazu entschlossen hat, die Vorlagen als Zeichentrickfilme umzusetzen, bleibt dahingestellt. Schließlich könnte auf diese Weise ein zentraler Bestandteil und einer der größten Unterhaltungsgaranten aus Königs Universum nahezu hundertprozentig übernommen werden: der optische Witz und visuelle Reiz seiner Knollennasenmännchen. Gerade wieder hier, bei Sven Unterwaldts Regiedebüt, wird deutlich, daß eine Umsetzung mit Menschen die Vorlage einer wichtigen Erfolgskomponente beraubt. Zumal Wie die Karnickel auf sprachlicher Ebene nicht gerade zu den witzigsten König-Comics zählt.

Auch wenn die Besetzungsleiter hier so manchen genialen Coup gelandet haben und vor allem Sven Walser und Anna Böttcher wie lebendig gewordene König-Figuren wirken, fehlt doch eine ganze Menge, um auch nur in die Nähe vom Bewegten Mann zu kommen. Dabei ist die Inszenierung durchaus professionell und der Schnitt hilft, Tempo in eine ansonsten doch recht zerdehnte Geschichte zu bringen.

Der Inhalt des Films ist indes schnell zusammengefaßt: Es geht eigentlich permanent nur um das Eine, um sexuelle Phantasien und sexuelle Realitäten. Die Story ist die bis dato sicherlich heterosexuellste von Ralf König, denn die Hauptfiguren sind ein trotteliger Mann, den seine plumpe Frau sitzenläßt, nachdem sie eine seiner ansonsten gut versteckten Pornokassetten gefunden hat. Der neu eingezogene schwule Nachbar und eine nymphomane Operndiva tragen dann natürlich erheblich zur Komplizierung des Geschehens bei.

Ralf König hat einen scharfen Blick für die realitätsnahe Schilderung von homo- und heterosexuellen Lebensweisen, die sich auch hier in seinem Drehbuch niederschlagen und den größten Reiz eines ansonsten eher langweilenden Films ausmachen. Ob in Zukunft noch eine weitere König-Verfilmung in die Kinos kommen wird, ist fraglich. Wenn von Seiten der Filmindustrie ein Interesse besteht, plädiere ich für das nächste Mal entschieden für einen Animationsfilm! 1970-01-01 01:00
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