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Whisky

ROU/RA/D 2003. R,B: Juan Pablo Rebella, Pablo Stoll. B: Gonzalo Delgado Galiana. K: Barbara Alvarez. S: Fernando Epstein. M: Pequena Orquesta Reincidentes. P: Control-Z Films, Pandora. D: Andres Pazos, Mirella Pascual, Jorge Bolani, Ana Katz, Daniel Hendler u.a.
94 Min. Pandora ab 5.5.05

Ein stummer Bilderreigen

Von Jutta Klocke Der Blick der Kamera ist so starr wie der immergleiche Tagesablauf der Figuren. Im Leben des Sockenherstellers Jacobo und seiner langjährigen Angestellten Marta ist ein defekter Rolladen die einzige Abweichung von der Routine. Wie die täglichen Handgriffe vom Öffnen des rostigen Fabriktors über das Einschalten der Maschinen bis hin zur allabendlichen Taschenkontrolle der Kolleginnen wiederholen sich auch die Bilder immer wieder aufs Neue.
Erst der Besuch von Jacobos Bruder Herman veranlaßt den mürrischen Eigenbrötler, die Lethargie des tristen Alltags zu unterbrechen. Ein Ausflug ans Meer mit Herman und Marta, die er vor dem Bruder als seine Ehefrau ausgibt, bringt Unordnung in die Regelmäßigkeit der Gewohnheiten und in den von allen dreien sorgsam nach außen hin verborgenen Gefühlshaushalt. Worte verraten dem Zuschauer kaum etwas über das Innenleben der Figuren, noch viel weniger dienen sie der Verständigung unter ihnen selbst. Sowohl Jacobo als auch Marta scheinen weniger des Redens müde als vielmehr aus Angst vor einer drohenden Selbstentblößung verstummt. Während der Fabrikant aber seine heimliche Zuneigung zu der treuen Mitarbeiterin weiterhin vor sich und den anderen verleugnet, legt Marta langsam ihre Maske des gefaßten Duldens ab und wagt die Kontaktaufnahme mit der Außenwelt.

Wie ein Bilderbuch für Kinder – so beschreibt Juan Pablo Rebella die elegische kleine Komödie, die er gemeinsam mit seinem Regiepartner Pablo Stoll in seiner Heimat, dem sonstigen filmischen Brachland Uruguay, realisierte. Dabei ähnelt Whisky dank seiner Dialogarmut und seiner statischen Kamera schon eher einem Fotoband. Eigentlich aber schmälern solche Vergleiche seinen Status nur, denn in der Reduktion auf die ureigensten Qualitäten des (un)bewegten Bildes ist Whisky eben genau das, als was er gedacht war – ein Film, und zwar in seiner reinsten Form. Ein fast stummer Bilderreigen, der den Ballast der Worte über Bord wirft und seine Geschichte ausschließlich in der ihm eigenen Sprache von Bildausschnitt und Montage erzählt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #38.
© 2012, Schnitt Online

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