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Weiter als der Mond

Verder dan de Maan. NL/D/B/DK 2003. R: Stijn Coninx. B: Jacqueline Epskamp. K: Walther van den Ende. S: Ludo Troch. M: Henny Vrienten. P: Isabella Films. D: Huub Stapel, Johanna ter Steege, Neeltje de Vree, Nyk Runia, Yannic Pieters, Anneke Blok, Annet Malherbe u.a.
105 min. Movienet ab 12.5.05

Moonwalker

Von Carsten Happe Manche Ereignisse brennen sich derart in das kollektive Bewußtsein, daß sie die Identität einer ganzen Generation beeinflussen. Fast jeder wird beantworten können, wie und wo er den 11. September erlebte, so wie die Generation unserer Eltern zu der Ermordung John F. Kennedys oder auch der ersten Mondlandung detaillierte Anekdoten parat hat.

Die 9jährige Caro allerdings würde die Astronauten am liebsten auf denselbigen schießen, wenn sie nicht ohnehin in diese Richtung unterwegs wären. »Gott wird das nicht zulassen, denn wenn die Menschen dieses Jahr zum Mond fliegen können, dann können sie möglicherweise im nächsten Jahr schon in den Himmel fliegen!« Die Apollo 11-Mission zieht erste Risse in Caros sorgsam aufgebautes Weltbild aus Kommunionsunterricht, dem elterlichen Bauernhof und Papas regelmäßigen Saufgelagen. In ihrer niederländischen Provinz sind sowohl der Summer of Love als auch Studentenunruhen spurlos vorübergezogen, das Leben geht den gleichen puritanisch-bodenständigen Gang wie in den letzten 50 Jahren, selbst das Fernsehen wird nur widerwillig akzeptiert.

Im Laufe der Geschichte von Weiter als der Mond, die Stijn Coninx bedächtig wie auch ungekünstelt inszeniert hat, werden die Risse jedoch langsam und kontinuierlich größer. Caro wird erwachsen, gezwungenermaßen, weil sie Verantwortung übernehmen muß, sie wird auch freier, weil sie die Möglichkeiten erkennt, die das Leben außerhalb ihres winzigen Mikrokosmos bereit hält. Mit sanfter Ironie taucht der Film in die Gedankenwelt einer 9jährigen ein, die im permanenten Zwiegespräch mit Gott, ihrem zukünftigen Bräutigam, so ihre Vorstellung von der Kommunion, ihr Leben ordnet und nach dem Sinn sucht. Das hört sich dröger an, als es in Wirklichkeit ist, denn trotz mancher allzu plakativer Passagen ist Weiter als der Mond ein erfrischend unprätentiöser Erzählfilm mit famosen Darstellern – neben den holländischen Stars Huub Stapel und Johanna ter Steege überzeugt vor allem die Newcomerin Neeltje de Vree als Caro.

Im Moment der Mondlandung sitzt auch sie schließlich fasziniert vor dem Fernseher, wenngleich ihre Anekdote von einem anderen, persönlichen Ereignis stärker geprägt sein wird. Zukunft und Fortschritt verheißen sie beide. 1970-01-01 01:00
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